Sonntag, 7. April 2019

Lords of the Void - "Wolves out to get me"

Neues Jahr, neuer Song.

Viel Spaß!





"Wolves out to get me"

(c)  Tim Frodermann / Mattias Kraft 2019


Come the dawn, we count our losses
in the light of the rising sun.
On our backs, we carry burdens
far too much for anyone.

I had to fall from grace.
I had to fall in place.

She let the wolves out to get me.
She lets me taste the consequences.
Her anger waits around the corner.
The queen of broken glass.



Come the place, we choose our battles,
fighting hard, fighting grim.
To the bone, broken vessels,
in the end, no one wins.

I had to fall from grace.
I had to fall in place.

She let the wolves out to get me.
She lets me taste the consequences.
Her anger waits around the corner.
The queen of broken glass.

Freitag, 15. Februar 2019

Gehäuse für Effektgeräte: Erste Versuche zu einem professionellen Look


Vorgehensweise und Material


Effektgeräte-Bausätze haben ich schon öfters zusammengelötet. Da ich diese bislang aber eher zum Austesten von Modifikationen oder generell zum Verstehen von Schaltungen verwendet habe, war es mir nicht so wichtig, dass die Effekte überhaupt in Gehäusen eingebaut waren oder dass es generell neben der reinen Funktion auch ansprechend aussehen sollte. Das wollte ich jetzt mal ändern.

In diesem Fall war nun alles Neuland für mich, ich habe vorher weder mit Alu-Gehäusen noch mit Lacken nennenswerte Kontakte gehabt. Deswegen heißt dieser Beitrag mit Absicht "Erste Versuche": Es geht mit Sicherheit noch besser, es geht mit Sicherheit noch schöner. Wer was lernen will, muss aber Erfahrungen sammeln :-)

Ich habe mich vorab etwas auf Youtube informiert, was man alles machen kann, um ein Effektgerät in ein möglichst ansprechendes Gehäuse zu bringen. Für den ersten Versuch schien es mir am einfachsten, ein Alu-Gehäuse zu lackieren und hier über eine bedruckte Wasserschiebe-Folie noch ein Motiv aufzubringen.




Das fertige Produkt als kleiner Teaser am Anfang
Das fertige Produkt als kleiner Teaser am Anfang.


Wenn Ihr Erfahrungen mit Siebdruck oder Etching/Ätzen oder anderen Techniken zum Verschönern von Metallgehäusen gemacht habt, schreibt mir doch einfach einen Kommentar am Ende dieses Posts. Ich freue mich auf Eure Erfahrungen!


Wie immer stelle ich an den Anfang auch die Liste der verwendeten Materialien.


 Position               Lieferant         Menge        Preis (Summe)
 ============================================================================

 Dupli Color Basic      Amazon            1            ca. € 9,-
 Haftgrund für Alu
 (557255) 400 ml

 Dupli Color Effekt     Amazon            1            ca. € 7,-
 "Diamant Gold"
 (669255) 150 ml

 Dupli Color Aerosol    Amazon            1            ca. € 8,-
 Klarlack matt
 (744044) 400 ml


 Schleifpapier Set      Amazon            1            ca. € 10,-
 Nass/Trocken
 51 Stück Körning 120 
 bis 3000. 9x3,6 Zoll


 Handschleifblock       Amazon            1            ca. € 3,-

 Alu Gehäuse Typ BB     musikding.de      1            € 6,50

 Bremsenreiniger        Baumarkt          1            ca. € 4 ,-

 -Wasserschiebefolie für Tintenstraldrucker-

 20 Blatt Set A4        Amazon            1            ca. € 16,-

 1 Blatt  A4            musikding.de      1            ca. € 2,-



Bezüglich der Wasserschiebefolie ist das letzte Wort aus meiner Sicht noch nicht gesprochen. Ich habe hier zwei Optionen wiedergegeben:

Das über Amazon beziehbare Set ist zwar stückmäßig billiger als das Set vom Markenausstatter. Allerdings scheint mir die Folie aus dem Set dicker zu sein als die "Markenfolie". Aus manchen Blickwinkeln sieht man die Ränder der Folie unter dem Klarlack noch deutlich. Ich weiß nicht, ob das bei der Markenfolie anders ist, denn sie war über einen Zeitraum von ein paar Wochen nicht lieferbar und so habe ich das Projekt mit der Folie aus dem Set durchgezogen.

Beim nächsten Mal werde ich die Markenfolie nehmen, um die Unterschiede zu prüfen.


Die Kosten für die beiden Effektgeräte-Bausätze habe ich hier rausgelassen, da sie genaugenommen nichts mit dem Thema "professionell aussehendes Gehäuse" zu tun haben.

Für die Interessierten: Ich habe die beiden musikding-Bausätze "Der 45er" (Phaser) und "Der Angel" (Chorus) eingebaut. Zwei Effektgeräte in ein Gehäuse einzubauen ist auch keine besondere Schwierigkeit, man hat am Ende eben zwei Klinkenbuchsen und eine Netzteil-Buchse übrig. Der Ausgang des einen Effekts wird direkt mit dem Eingang des anderen Effekts verlötet, was in diesem Fall konkret über die Fußschalter passiert (True Bypass). Beide Effekte erhalten ihren Strom über eine einzige Netzteil-Buchse und damit ein einziges Netzteil, was dieses in der Regel locker aushalten sollte (beide Effekte benötigen 9 Volt Spannung).



Gehäuse vorbereiten


Als erstes müssen die Löcher ins Gehäuse. Dabei sind eigentlich nur zwei Dinge zu beachten: Erstens soll es möglichst symmetrisch sein, zweitens müssen Potis, Schalter und LEDs auch so positioniert werden, dass das nicht von außen sichtbare Innenleben auch noch Platz im Gehäuse findet.

Das muss man nicht zu akademisch angehen, ein guter Punkt zum Starten ist es, wenn man die Potis und Fußschalter schonmal möglichst weit voneinander entfernt platziert. Die Entfernung der Fußschalter vom Rand ergibt sich daraus, dass sie sich den Randbereich mit den Klinkenbuchsen teilen müssen. LEDs kommen nahe an die Fußschalter.

Mit ein wenig Anhalten sollte das alles per Augenmaß zu positionieren sein. Damit alle Komponenten aufeinander fluchten, habe ich mit Geodreieck und Bleistift Hilfslinien aufgemalt. Der Bleistift lässt sich, wenn alles gebohrt ist, leicht entfernen - beziehungsweise verschwindet schon von alleine, wenn das Gehäuse später angeschliffen wird.


Mit Geo-Dreieck und Bleistift werden die Positionen der Komponenten bestimmt.
Der Abstand der Komponenten ist im ersten Step durch Anhalten grob festzulegen.



Mit Geo-Dreieck und Bleistift werden die Positionen der Komponenten bestimmt.
Mit Geo-Dreieck und Bleistift werden die Komponenten zueinander gefluchtet.

Bei der Festlegung der Positionen muss man "mehrdimensional" denken...
Bei der Festlegung der Positionen muss man "mehrdimensional" denken...

...innen soll nichts aneinander stoßen.
...innen soll auch nichts aneinander stoßen.

Unbedingt auch die Platinen vorab einsetzen, es ist weniger Platz als man denkt!
Unbedingt auch die Platinen vorab einsetzen, es ist weniger Platz als man denkt!


Sind die Positionen für die Löcher angezeichnet, dann kann gebohrt werden. Ich habe die besten Erfahrungen mit Stufenbohrern gemacht. Diese lassen sich viel besser zentrieren, wenn man das Loch nach dem ersten Bohren doch noch größer braucht. Überhaupt: Gerne großzügig bohren! Die Löcher verschwinden nachher sowieso hinter einer Mutter und es ist kaum zu verhindern, dass beim Lackieren auch Farbe in die Löcher gerät. Wer zu knapp plant, muss nacharbeiten.

Alu-Druckguss ist übrigens härter, als man denkt: Damit der Bohrer am Anfang nicht verrutscht, kann man nach Bedarf mit einem Dorn eine Markierung schlagen. Und Alu-Guss macht beim Bohren eine veritable Sauerrei (feine, körnige Späne). Wenn ein Helfer dabei ist, sollte der beim Bohren den Staubsauger nahe am Bohrer halten.

Sind alle Löcher im Gehäuse, macht es Sinn, schonmal alle Bauteile zu montieren und zu schauen, dass wirklich alles passt. Änderungen nach der Lackierung könnten den Lack gefährden.

 

Möglichst kurz vor der Lackierung muss das Gehäuse angeschliffen werden. Der Grund: Alu eloxiert recht schnell, soll heißen, es bildet sich eine feine Oxidationsschicht aus, auf der Lack nicht richtig hält. Das muss also runter und dann sollte man umgehend einen Haftgrund für die weitere Lackierung auftragen.

Ich habe das Gehäuse mit 400er Schleifpapier und Schleifklotz per Hand geschliffen, bis das Alu hell schimmerte. Dann habe ich das Gehäuse mit Bremsenreiniger und einem fusselfreien Tuch gereinigt beziehungsweise entfettet. Ab diesem Punkt arbeiten wir natürlich mit Handschuh, denn Hautfett ist aggressiv und das wollen wir nicht unter dem Lack haben.

Nun kann die Grundierung erfolgen.

 


Grundierung


Der gesunde Menschenverständ rät dazu, dass man Lackierarbeiten nicht in geschlossenen Räumen durchführt. Ich muss sagen, dass ich auch belüftete Räumen nach ersten Erfahrungen für ungeeignet halte, da die Sprühdosen mit etwas Abstand zum Werkstück doch einen ordentlichen Nebel fabrizieren können.

Ich habe die Lackierung deshalb auf dem Balkon vorgenommen, um den Lack in Zaum zu halten, habe ich mir aus einem Karton eine rudimentäre "Lackierkabine" gebaut.


In den Ecken die Seitenwand des Kartons einschneiden und hochklappen.
In den Ecken die Seitenwand des Kartons einschneiden und hochklappen.

Wenn man eine Lackschicht aufgetragen hat, den Karton runterklappen, damit ist  der Lack dann rudimentär gegen Fusseln, etc. geschützt.
Wenn man eine Lackschicht aufgetragen hat, den Karton runterklappen, damit ist
der Lack dann rudimentär gegen Fusseln, etc. geschützt.


Das zu lackierende Gehäuse habe ich auf eine alte Tasse gestellt, damit kann man auch die Seiten gut  lackieren und kann durch Drehen der Tasse auch das Gehäuse leicht umpositionieren.
Das zu lackierende Gehäuse habe ich auf eine alte Tasse gestellt, damit kann man auch die Seiten gut
lackieren und kann durch Drehen der Tasse auch das Gehäuse leicht umpositionieren.


Da Lack nicht gut an Alu haftet, habe ich einen speziellen Haftgrund für Alu gekauft und das Gehäuse als erstes mal damit lackiert.

Der Haftgrund lässt sich sehr einfach verarbeiten, ich habe hier so oft direkt hintereinander Schichten aufgetragen, bis ich kein Alu mehr habe durchschimmern sehen. Gesprüht habe ich immer in einem Abstand von ca. 20 - 30 cm, so dass das Gehäuse nicht beregnet, sondern eher von einem Nebel bedeckt wird. Immer gleichmäßig von links nach rechts und von oben nach unten drüberschwenken. Ansonsten die Anweisungen auf der Dose beachten, besonders zu den Trockenzeiten.

Es beginnt mit dem Alu-Haftgrund
Es beginnt mit dem Alu-Haftgrund

Es beginnt mit dem Alu-Haftgrund
Unten links waren ein paar "Pickelchen" zu sehen, die kann man nochmal anschleifen und erneut lackieren.


Es beginnt mit dem Alu-Haftgrund
Alle Ecken und Enden sollen grundiert sein.

Wenn der Haftgrund durchgetrocknet ist und vor der eigentlichen Farblackierung habe ich das Gehäuse sehr vorsichtig mit einem 800er Nass-Schleifpapier angeschliffen. Die Grundierungsschicht ist nicht sehr dick, deshalb muss man den Anschliff vorsichtig angehen. Wenn zuviel abgetragen wurde und das Alu wieder durchblitzt, dann muss man leider nochmal Haftgrund nachsprühen.


Lackierung


Für den Farblack habe ich mir unbedingt einen Strukturlack aussuchen müssen. Das war für die erste Lackierarbeit eventuell nicht die beste Idee, da der Lack Glitterflakes enthält. Diese sind aber leider etwas auf dem Lack geschwommen und es war nicht so einfach, den Glitter gleichmäßig verteilt zu bekommen. Dadurch ist die Lackschicht am Ende vermutlich recht dick geworden.

Ganz gleichmäßig verteilt ist der Glitter letztendlich nicht, aber passend zum "Space"-Thema des Effektgerätes sieht das doch fast ein wenig wie ein planetarer Nebel aus.

Im Licht entfaltet der Glitter seine ganze Pracht.



Nicht zuviel auf einmal aufsprühen, sonst gibt es Lacknasen.



Meine erste Lackierung war holprig, aber das Endergebnis ist nicht so schlecht gelungen.


Nach der Farblackierung habe ich diese nicht angeschliffen, da wegen der Flakes im Lack ohnehin eine rauhe Oberfläche gegeben war. Lediglich eine Entfettung mit Bremsenreiniger habe ich vorgenommen und dann ein paar Schichten Klarlack aufgetragen, so lange bis die Oberfläche glatt war. Das ist insbesondere für den Auftrag der Wasserschiebefolie wichtig, denn diese würde auf einer rauhen Oberfläche nicht gut haften.

Für mich war das Sprühen mit der Dose sehr gewöhnungsbedürftig, man muss hier ein Gefühl für entwickeln. Die Lackschicht war auf der einen Seite auch nach mehrmaligem hin und her dünner, als ich es mir vorgestellt hätte. Einmal kräftig mit dem Schliefpapier drüber und man sieht fast wieder Alu!

Gleichzeitig läuft der Lackauftrag an den Seiten aber auch schnell und bildet Nasen, die sich nicht durch übersprühen kaschieren lassen. Da heißt es dann schleifen und nochmal sprühen.

Es ist also für den Anfänger nicht ganz einfach. Ich hab es letztlich irgendwie "gerettet", aber das Lackieren ist definitiv etwas, das ich mehr üben muss.

Durch meine Übungen war die Lackdose auch schneller leer als ich gedacht hätte und ich musste mir für den Boden etwas anderes ausdenken. Ich hatte noch eine zweite Lackdose mit einem Goldton, also habe ich diesen für die Lackierung des Bodens verwendet.

Beim Anschleifen des Lacks mit Nass-Schleifpapier passierte dann das Unerwartete: Der Lack löste sich komplett ab, er ließ sich richtig verschmieren. Hätte ich mal das Kleingedruckte auf der Dose gelesen, denn dieser zweite Lack war nur ein Dekolack und wasserlöslich...

Ich habe dann nicht weiter versucht, das ganze noch irgendwie zu retten, den Boden sieht ja ohnehin niemand. Stattdessen habe ich eine zweite Technik der Illustrierung ausgetestet und meine Frau mit Edding auf den Lack malen lassen. Darauf kam dann Klarlack und das scheint so auch zu halten.

Der Boden ist nicht ganz wie geplant geworden, die Bemalung mit Edding hat aber auch was für sich.
Der Boden ist nicht ganz wie geplant geworden, die Bemalung mit Edding hat aber auch was für sich.


Erstellung eines Designs für den Foliendruck


Alle Designs hat meine Frau für mich gemalt. Wir haben zuerst damit herumexperimentiert, mit einem Wacom-Tablet direkt digital zu zeichnen, das hat bislang aber nicht so gut geklappt, wie das Zeichnen auf Papier.

Mit Papier und Stift zum Effektgeräte-Design.
Mit Papier und Stift zum Effektgeräte-Design.


Nachdem das Design auf Papier feststand, hat sie den Zettel eingescannt und in Inkscape (kostenlose Vektor-Grafik-Software) importiert. Auf einer weiteren Ebene wurden dann den Linien der Zeichnung folgend Hilfslinien angelegt. 


Links ist die eingescannte Zeichnung mit den Hilfslinien zu sehen.
Links ist die eingescannte Zeichnung mit den Hilfslinien zu sehen.

Danach blendet man die unterste Ebene mit dem eingescannten Bild aus und zeichnet an den Hilfslinien entlang das eigentliche Bild nach. Vielleicht etwas umständlich, aber am Ende stand das Bild der "Diamant-Sonne" in Form einer auf jede Größe skalierbaren Vektorgrafik.

Rechts ist die über die Hilfslinien nachgezeichnete Vektor-Grafik zu sehen.
Rechts ist die über die Hilfslinien nachgezeichnete Vektor-Grafik zu sehen.

Mit der auch auf Papier gezeichneten Schrift wurde etwas ganz ähnliches gemacht. Zunächst wurde auch diese eingescannt und in Inkscape importiert.


Danach markiert man das Bild und wählt die Funktion "Bitmap nachzeichnen" aus, die die Rastergrafik in eine Vektorgrafik umwandelt. Denn wir wollen auch die Schrift verlustfrei skalieren können.

"Bitmap nachzeichnen" wandelt die Rastergrafik in eine Vektorgrafik um.
"Bitmap nachzeichnen" wandelt die Rastergrafik in eine Vektorgrafik um.


Wir wollen nun für Korrekturen die einzelnen Pfadpunkte anzeigen, denn 100% genau ist das Vektorisieren nicht.

Hierzu wählt man links das Vektorpfadwerkzeug aus und klickt dann die nachgezeichnete Schrift an.

Pfadpunkte anzeigen.
Pfadpunkte anzeigen.

Es werden nun sehr viele Pfadpunkte angezeigt, die Vektorisierung ist nicht perfekt, die Schrift sieht etwas anders aus als auf Papier. Da man bei so vielen Vektorpunkten nicht leicht manuell etwas "geradeziehen" kann, bietet es sich an, die Funktion "Vereinfachen" auswählen. Dann wird die Schrift auf die nötigsten Vektorpunkte reduziert.


Pfadpunkte reduzieren, um den Überblick zu behalten.
Pfadpunkte reduzieren, um den Überblick zu behalten.

Das kann im Endergebnis etwas verfremdet wirken, an dieser Stelle sind noch weitere manuelle Anpassungen notwendig. Einige Punkte sind manuell in Position zu verschieben, auch kann man jetzt noch weitere Punkte hinzufügen, dort wo sie benötigt werden.

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Die fertig "ausgebeulte" vektorisierte Schrift.
Die fertig "ausgebeulte" vektorisierte Schrift.

Zusammenfügen der Einzelteile.
Zusammenfügen der Einzelteile.


Der Ausdruck kann zum Test erst einmal auf normales Papier durchgeführt werden, so kann man ausprobieren, wie groß es konkret sein muss. Sind die Druckparameter ausgeknobelt, dann kann der Druck auf die Wasserschiebefolie erfolgen.

Hierbei ist unbedingt zu beachten, dass die Folie nach dem Druck mit Klarlack besprüht werden muss. Ansonsten verteilt sich die Tinte im Wasser in alle Himmelsrichtungen. Auch hilft die Klarlack-Deckschicht ein wenig, die Folie stabil zu halten. Zumindest die von mir verwendete Folie (im Bild unten erkennbar) hat eine große Neigung gehabt, sich nach dem Ablösen vom Trägerpapier einzurollen.


Nach dem Bedrucken muss die Folie lackiert werden. Diese Info fehlt meistens auf
der Folien-Packung.




Wobei, vielleicht steht es doch auf der Verpackung???


Design-Folie aufbringen


Ist der Klarlack auf der Folie durchgetrocknet, kann sie zurechtgeschnitten werden. Ich habe die Diamant-Sonne und die Schrift oben drüber in einem Block belassen und möglichst passend zurechtgeschnitten.

Die kleinere Schrift über den Potis habe ich als zweiten Block im Ganzen ausgeschnitten.



Die bereits mit Klalack fixierte Folie wird nun möglichst passend zurechtgeschnitten
Die bereits mit Klarlack fixierte Folie wird nun möglichst passend zurechtgeschnitten.


Eventuell schneidet man das nicht so knapp aus, der "Diamond"-Zipfel hat sich nach dem Lösen vom Trägerpapier hartnäckig immer wieder eingerollt.

Aber nicht zu detailliert ausschneiden, sonst wird es ein Kampf beim Aufbringen
Aber nicht zu detailliert ausschneiden, sonst wird es ein Kampf beim Aufbringen.


Diesmal entfetten wir das Gehäuse nicht mit Bremsenreiniger sondern einfach mit Spüli in lauwarmem Wasser. Bei der ganzen Prozedur tragen wir Spülhandschuhe, damit nicht wieder aggressives Hautfett auf das Gehäuse gelangt.


Das Gehäuse muss nun entfettet werden: Handschuhe und Seifenwasser
Das Gehäuse muss nun entfettet werden: Handschuhe und Seifenwasser.


Mit klarem Wasser nachspülen!
Mit klarem Wasser nachspülen!


Zum Schluss mit einem fusselfreien Tuch trockentupfen
Zum Schluss mit einem fusselfreien Tuch trockentupfen.


Das entfettete Gehäuse: Jetzt nicht mehr ohne Handschuhe anfassen
Das entfettete Gehäuse: Jetzt nicht mehr ohne Handschuhe anfassen.


Ich habe jetzt keine Fotos vom Auftragen der Folie, weil ich keine Hände frei hatte :-)

Zusammengefasst geht es so:

Folie in kaltes Wasser einweichen. Nach ein paar Minuten löst sich die Folie vom Trägerpapier. Geht das nicht von selbst, dann kann man mit einem Schaschlickspieß vorsichtig nachhelfen.

Ich habe dann das Gehäuse ins Wasser getaucht und unter die Folie geschoben. Dann außerhalb des Wassers die Folie so zurechtgerückt, bis es gepasst hat. Solange es feucht ist, ließ sich die Folie prima verschieben.


Die Wasserschiebe-Folie ist aufgebracht und trockengetupft
Die Wasserschiebe-Folie ist aufgebracht und trockengetupft.


Als alles saß, habe ich es mit einem fusselfreien Tuch vorsichtig trockengetupft. Im ersten Versuch habe ich das Gehäuse dann einen Tag stehenlassen, das war falsch. Wenn die Wasserschiebefolie ganz austrocknet, löst sie sich wieder vom Gehäuse.

Deshalb nach dem Trockentupfen noch ein paar Minuten antrocknen lassen und dann gleich mit mehreren Schichten Klarlack versiegeln.



Zum Schluß noch zwei Schichten Klarlack aufgesprüht
Zum Schluß noch zwei Schichten Klarlack aufgesprüht.


Das Ganze dann gut durchtrocknen lassen und der Einbau der Elektronik kann beginnen.


 

Bestückung des Gehäuses


Im Prinzip hatten wir das ja vor dem Lackieren schonmal: Alle Bauteile wieder einsetzen und diesmal auch festziehen.

Als erstes setzen wir wieder die außen sichtbaren Teile ein
Als erstes setzen wir wieder die außen sichtbaren Teile ein.


Viele Drähte waren anzulöten, dies ist das fertige Innenleben.



Dann wird der Lötkolben geschwungen.
Dann wird der Lötkolben geschwungen.



Mit dem Anschrauben des Bodens ist das Effektgerät soweit fertig.



Der gold lackierte Boden passt wie ich finde sehr gut.
Der gold lackierte Boden passt wie ich finde sehr gut.

Das fertige Effektgerät.
Das fertige Effektgerät.

Das "Gesicht" des Gerätes mit Schaltern, Potis und LEDs.
Das "Gesicht" des Gerätes mit Schaltern, Potis und LEDs.

Und zwei böse glühende Augen.
Und zwei böse glühende Augen.

Sonntag, 3. Februar 2019

Podcast #1: Gitarren-Equipement

Mattias und Tim besprechen im ersten "Tim bastelt"-Podcast das Thema "Gitarren Equipement" - was benötigt der Gitarrist, um glücklich zu sein? Was steht 2019 auf dem Wunschzettel? Was für Equipement nutzen wir am liebsten?






Sonntag, 27. Januar 2019

Dosenverstärker - Do-it-yourself Projekt für Gitarristen

Der Sound aus der (Kaffee-)Dose



Manchmal kommt man ja auf Ideen. Und während so mancher noch denkt "Warum denn?", habe ich meist schon laut "Warum denn nicht?" gesagt.

So geschehen vor einiger Zeit, als ich für ein anderes Elektronikprojekt einen Mikrofon-Vorverstärker benötigt habe. Ich wusste nicht so recht, was ich genau brauche, also habe ich gleich ein paar Verstärker-Bausätze gekauft.

Einer davon stellte sich als zu potent heraus, genauer gesagt hatte er eine Leistungsaufnahme von mehr als 1 Watt und konnte problemlos einen kleinen Lautsprecher antreiben. Das hat mich spontan interessiert, deshalb habe ich kurzerhand einen Lautsprecher und eine Klinkenbuchse angelötet und meine Gitarre angeschlossen.

Das "Kombo-chen" stellte sich als so laut heraus, dass der Lautsprecher hüpfend und schnarrend über den Tisch wanderte. Das ging so natürlich nicht, also suchte ich nach irgendeinem Behältnis, in das ich den kleinen Versuchsaufbau einbauen konnte.

In der Küche fiel mir alsbald eine leere Espresso-Dose in die Hände und geboren war: Der Dosenverstärker.


Außen "Eros Ramazotti", innen "Rock 'n' Roll". Der Dosenverstärker.
Außen "Eros Ramazotti", innen "Rock 'n' Roll":
Der Dosenverstärker (Hörprobe am Ende dieses Artikels)

 

 

Wer braucht sowas?



Es ist natürlich klar, dass so ein Dosenverstärker nicht in Konkurrenz zu einem "echten" Gitarrenverstärker treten kann. Er kann auch nicht unbedingt gegen die diversen Gitarren-Apps antreten. Aber: Der Dosenverstärker ist lauter als jedes Handy, er ist genauso transportabel, er ist unschlagbar günstig in der Herstellung und er hat einige Eigenschaften, die man auch von großen Gitarren-Verstärkern kennt. Nicht zuletzt ist er ein Hingucker!

Der Dosenverstärker ist beispielsweise ideal für den Sommer geeignet, für alle, die am Lagerfeuer lieber ihre E-Gitarre als die Akustik-Klampfe spielen wollen. Für alle Rock-Heroen und Lead Monster, die den Rock gerne auch in die freie Wildnis tragen.

Stellen Sie sich die Augen der Ed Sheeran Klampfer vor, wenn Sie am Lagerfeuer auch das Solo von "Stairway to Heaven" originalgetreu raushauen können.

Spaß beseite, dies ist kein verfrühter Aprilscherz oder Faschings-Gag. Es ist durchaus ernst gemeint, der Dosenverstärker ist ein prima Projekt für Do-it-Yourself Fans: Ob sie denn selbst Gitarristen sind oder ob sie nach einem individuellen und originellen Geschenk für einen Gitarristen suchen.

Um selbst einen Dosenverstärker bauen zu können, muss man nicht die Meisterschule besucht haben. Ganz im Gegenteil. Wenn man bereit ist, im schlimmsten Fall etwas Lehrgeld zu bezahlen, dann ist der Dosenverstärker sogar ein ideales Projekt für den Einstieg ins Elektronik-Hobby.

Etwas Geduld sollte man allerdings mitbringen, auch erfahrene Hände werden für den kompletten Bau ein paar Stunden einplanen müssen.



Was braucht man und wieviel kostet das?

 

Die Kosten belaufen sich auf unter 30 ,- €. Wie immer gehe ich davon aus, dass alle benötigten Werkzeuge schon vorhanden sind. Bei den Bestandteilen des Dosenverstärkers gehe ich hingegen davon aus, dass alle noch gekauft werden müssen.

Wenn man z.B. die Kaffeedose schon herumliegen hat, reduzieren sich die Kosten entsprechend noch.

 

 

  Position               Lieferant         Menge        Preis (Summe)
  =========================================================================

  Kemo Bausatz B182      Conrad            1            ca. 5,69 €

 Miniatur-Abstands-     musikding.de      2            ca. 1,60 €
 halter 9,5mm

 Clip für 9V Batterie   musikding.de      1            ca. 0,75 €
 I-Form

 Litze 0,25mm2 5m       musikding.de      1            ca. 0,80 €
 schwarz

 Litze 0,25mm2 5m       musikding.de      1            ca. 0,80 €
 rot

 Stereo Klinkenbuchse   musikding.de      1            ca. 1,00 €

 Mini Potentiometer     musikding.de
 500kOhm logaryhthmisch                   1            ca. 1,00 €

 M3 Maschinenschrauben  Baumarkt          4            ca. 1,00 €
 und passende Muttern

 Isolierband            Baumarkt          1            ca. 1,00 €

 9-Volt Block           Baumarkt          1            ca. 2,00 €

 
 Visaton FR 58          Conrad            1            ca. 7,09 €
 Lautsprecher

 Kaffedose              Edeka u.a.        1            ca. 5,49 €
  
=========================================================================
                                                                                                Summe:    28,22 €     

 

 

 

Beschreibung der einzelnen Komponenten



Der Kemo Verstärker B182 (1 Watt, laut Herstellerangaben Spitzen bis zu 2 Watt) ist ein Universalverstärker, deshalb deckt er von 20 Hz bis 20 kHz auch ein recht weites Spektrum ab. Viel mehr als bei einem Gitarrensignal überhaupt anfallen wird.

Seine Eingangsempfindlichkeit von ca. 80 mV (Millivolt) sollte auch in keiner Situation ein Problem darstellen. Der Output von Gitarren-Pickups ist unter anderem frequenzabhängig, deshalb ist es schwierig zu sagen, was für eine Ausgangsspannung genau aus der Gitarre rauskommt.

Ich habe nichts konkret bemerkt, könnte mir aber vorstellen, dass bei manchen Gitarren mit schwächeren Pickups beim Ausschwingen der Saiten eventuell dieser Empfindlichkeitswert unterschritten wird und der Verstärker dann nichts mehr verstärkt. Wir reden hier dann davon, dass das Sustain eventuell kürzer ist als mit einem anderen Verstärker bzw. als man es sonst gewohnt ist. Beim Ausschwingen wohlgemerkt, nicht beim Anschlagen.


Wie gesagt, das sind nur theoretische Überlegungen, ich halte den Kemo Verstärker für dieses Projekt vom Preis-Leistungs-Verhältnis für genau die richtige Wahl.


Der Kemo Verstärker arbeitet mit Spannungen zwischen 6 und 9 Volt. Je weniger Spannung, desto weniger Leistung, also leiser. Aber nicht nur leiser, mit weniger Spannung nimmt auch der "Headroom" des Verstärkers ab, er gerät leichter in die Verzerrung. Das ist ein interessanter Nebeneffekt, ich werde ganz am Schluss dieses Blog-Posts dazu noch ein paar Worte verlieren.

Gehen wir aber mal davon aus, dass wir den Verstärker mit 9 Volt betreiben. In diesem Projekt arbeite ich mit einer 9-Volt-Blockbatterie, aber es gibt hier dennoch einige Überlegungen anzustellen. Denn der Nachteil der gängigen "9-Volt Blöcke" ist, dass sie meist nur eine Kapazität von weniger als 700 mAh (Milliampere-Stunden) haben.

Der Kemo-Verstärker hat eine maximale Stromaufnahme von 380 mA (Milliampere), wenn man ihn also immer auf voller Lautstärke fährt, ist die Batterie nach etwa zwei Stunden leer. Das ist schon ziemlich lange für den Dosenverstärker, so ein Set fahren ja oft nichtmal mehr die großen Bands dieser Welt :-) Wer will, kann als Alternative aber durchaus zwei 4,5 Volt Flachbatterien in Reihe schalten. Daraus ergeben sich auch 9 Volt, die Flachbatterien haben aber eine Kapazität von meist mehr als 2500 mAh. Damit wird der Dosenverstärker etwas unhandlicher, aber der Vollständigkeit halber soll dies hier auch gesagt sein.

Als Lautsprecher empfehle ich für den Dosenverstärker den Visaton FR58. Dies ist ein 2,3 Zoll (5,8 cm) Lautsprecher mit 8 Ohm Impedanz und einer Belastbarkeit von 10 Watt. Sein Übertragungsbereich deckt sich bei 120 Hz bis 20 kHz in etwa mit dem des Kemo Verstärkers und ist ihm damit ein würdiger Partner. So klein der Kleine auch sein mag, bei einem mittleren Schalldruck von 81 dB (1 Watt bei 1 Meter Abstand) sollte klar werden, dass der Dosenverstärker kein Leisetreter ist!

Damit wir diese Lautstärke nicht dauerhaft etrag... ähem genießen müssen, hat der Dosenverstärker auch eine Lautstärkeregelung. Es ist in diesem Projekt nicht so wichtig, was für ein Potentiometer man einbaut, denn das Poti befindet sich im Schaltbild noch vor dem Kemo Verstärker. Es regelt also die Lautstärke der Gitarre herunter, also das Eingangssignal vor dem Verstärker, nicht die des verstärkten Signals.

Ich habe ein logarithmisches 500 kOhm Poti genommen, aber auch nur, weil ich es gerade herumliegen hatte. Man könnte auch genausogut ein 100 kOhm Poti verwenden, denn wir reden von einer Ausgangsspannung der Gitarre von vielleicht maximal 300 - 400 mV.

Wenn bei einer solchen Spannung das Poti voll zugedreht ist, also der höchste Widerstand anliegt, dann ist der Strom, der rechnerisch selbst bei einem 100 kOhm Poti noch zum Kemo Verstärker fließt, bereits unter 1 mA gefallen und damit weit unterhalb der Empfindlichkeit des Verstärkers. Will sagen: Was auch immer man für ein Poti aus dem Bereich Gitarren- oder Effektgerätebau nimmt, es wird den Dosenverstärker in der gegebenen Schaltung leise kriegen können.

Natürlich gibt es noch die Unterschiede im Regelweg bei linearen und logarithmischen Potis, aber auch das ist für das vorliegende Projekt egal. Wichtig ist, dass man die Lautstärke regulieren kann. Wir haben für die Lautstärkeregelung außen am Dosenverstärker ohnehin keine Skala vorgesehen, deshalb ist die Charakteristik des Regelweges nicht von Bedeutung.

Die in der Materialauflistung genannte Stereo-Klinkenbuchse ist allerdings essentiell wichtig, dazu später mehr.

Jetzt basteln wir aber mal endlich...



Zusammenlöten des eigentlichen Verstärker-Bausatzes



Bewegte Bilder sagen mehr als tausend Worte, deshalb habe ich ein Video gemacht: Es zeigt das komplette Zusammenlöten des Kemo Verstärkerbausatzes B182 (Verstärker 1 Watt) und gibt hierbei auch einige Tipps für Lötanfänger.


 

 

 

Verbindungsschema der einzelnen Komponenten

 

 

Der Kemo Verstärker hat sechs Lötösen für den Anschluss von Kabeln. Die rechten zwei sind der Ausgang zum Lautsprecher.

Ich folge hier dem Schema, dass + immer rot ist und - immer schwarz dargestellt. Man muss bei dem Verstärker etwas aufpassen, da + nicht immer links und - nicht immer rechts ist! Im "Einkaufszettel" für dieses Projekt habe ich deshalb auch schwarze und rote Litze aufgelistet, damit man immer gleich sieht, was Signal führt und was Erde ist. Wer es leicht hat, den Überblick zu bewahren, kann natürlich auch einfarbige Kabel verwenden.

Die mittleren beiden Lötösen sind für die Spannungsversorgung des Kemo-Verstärkers. Hier ist zu beachten, dass wir nur das Plus-Kabel (+) von der Spannungsquelle am Verstärker anschließen, die Lötöse für die Erde bleibt unbelegt.


Verkabelungsschema des Dosenverstärkers
Verkabelungsschema des Dosenverstärkers

Dies hat einen einfachen Grund. Wenn wir + und - der Spannungsquelle direkt an den Verstärker anlöten würden, dann würde der Verstärker immer laufen, solange eine Batterie angeschlossen ist. Zum Ausschalten müsste immer die Batterie entfernt werden. Dies ist sehr unpraktisch und kann leicht vergessen werden. Der Kemo Verstärker zieht im Leerlauf immerhin einen Strom von fast 11 mA, das würde die Batterie in zwei bis drei Tagen leeren.

Der Minuspol vom Batterie-Clip (schwarzes Kabel) wird deshalb an den dritten Pol der Klinkenbuchse angeschlossen. Wir benutzen in diesem Projekt eine Stereo-Klinkenbuchse aus folgendem Grund.

Aufbau und Funktion der Stereo-Klinkenbuchse
Aufbau und Funktion der Stereo-Klinkenbuchse


Die Stereo Klinkenbuchse hat drei Anschlüsse: Tip (T), Sleeve (S) und Ring (R). Wofür diese benötigt werden, wird aus dem mittleren Teilbild oben ersichtlich. Ein Stereo-Klinkenkabel ist in drei Teile unterteilt, jeder dieser Teile hat beim Einstecken in die Buchse Kontakt zu je einem der drei Anschlüsse der Klinkenbuchse. Tip und Ring werden für Links und Rechts des Stereo-Signals verwendet, Sleeve ist die Erde, also Minus.

Wie aus dem mittleren Bild ersichtlich ist, hat ein Mono-Klinkenkabel nur Tip und Sleeve. Das führt dazu, dass beim Anschluss eines Mono-Kabels in eine Stereo-Buchse die Anschlüsse Ring und Sleeve kurzgeschlossen werden.

Was bedeutet das nun für unsere Verdrahtung der Komponenten?

Wenn wir das Minuskabel von der Batterie an Ring anschließen, dann wird Ring mit Sleeve kurzgeschlossen, Ring wird also zur Erde und der Batteriestromkreis ist geschlossen.

Der Verstärker erhält also nur Spannung, wenn ein Kabel eingesteckt ist. Eine ganz saubere Lösung, wie sie auch in Gitarren mit aktiven Tonabnehmern verwendet wird.

Der Rest der Verkabelung ist Standard. Vom Tip der Klinkenbuchse wird eine Verbindung zum Eingang des Potis gelegt. Der Ausgang des Potis geht auf den Eingang des Verstärkers. Die Einganssektion des Verstärkers sind die linken beiden Lötösen. Wir können dadurch über das Poti die Signalstärke zum Eingang des Verstärkers regeln, also die Gesamtlautstärke.

Man könnte das Poti zur Lautstärkeregelung theoretisch auch an den Ausgang des Verstärkers setzen. In der Praxis würde das aber nicht gut funktionieren, da hier bereits ein Strom fließt, der deutlich höher ist. Beim Drehen des Potis würde es fürchterlich kratzen.


Zuletzt müssen jetzt noch die Erde (-) des Verstärkereingangs und die Erde des Potis angeschlossen werden. Beide können an den Anschluss Sleeve der Klinkenbuchse gelötet werden.

Ich habe des Weiteren noch eine kurze Brücke zwischen der Erde des Poti zur Kaffeedosenwand gelegt, damit die Dose etwas besser gegen EM-Einstrahlung geschützt ist. Für eine solche Brücke nehme ich gerne die Beinchen von Widerständen oder Transistoren, denn die sind dicker als Litze und besser zu verarbeiten. Am besten regelmäßig die Reste aufheben, die man abschneidet.


Die Innenwand der Dose ist auch mit der Erde verbunden
Die Innenwand der Dose ist auch mit der Erde verbunden


Perfekt ist das aber nicht, da die Dose einen Plastikdeckel hat (diesen mit einer Metallfolie auf der Innenseite leitfähig zu machen, habe ich mir erspart - einfach nicht unter einer Leuchtstoffröhre spielen :-) ).


Ich habe es als am praktischsten empfunden, bereits alle Kabel an den Verstärker anzulöten und diese Kabel entsprechend recht lang zu lassen. Man kann dann alle Einzelkomponenten nach und nach einbauen und verlöten. Ich würde die Kabel immer etwas länger lassen als es am Ort des EInbaus benötigt wird, dann kann man die angeschlossene Komponente auch später noch einmal rausnehmen, wenn z.B. mal etwas nachgelötet werden muss. Die überflüssigen Längen habe ich einfach etwas in Schlaufen verlegt und mit Isolierband an der Innenwand der Dose arretiert.


Einbau in die Dose


Es folgt die bebilderte Anleitung.


Der Verstärker wird in eine handelsübliche Blech-Kaffedose eingebaut
Der Verstärker wird in eine handelsübliche Blech-Kaffedose eingebaut

Wir bohren ein Loch in den Boden und schneiden mit der Blechschere eine so große Öffnung aus, dass der Lautsprecher hineinpasst.
Wir bohren ein Loch in den Boden und schneiden mit der Blechschere eine
so große Öffnung aus, dass der Lautsprecher hineinpasst.

Lieber erstmal klein ausschneiden und nachprüfen. Bei Bedarf dann vergrößern.
Lieber erstmal klein ausschneiden und nachprüfen. Bei Bedarf dann vergrößern.

Lieber erstmal klein ausschneiden und nachprüfen. Bei Bedarf dann vergrößern.
Lieber erstmal klein ausschneiden und nachprüfen. Bei Bedarf dann vergrößern.

Nun die Löcher für die Schrauben anzeichnen und ausbohren.
Nun die Löcher für die Schrauben anzeichnen und ausbohren.

Die Miniaturabstandshalter werden am Kemo Verstärker angebracht. Mit ihren Klebefüßen werden sie in die Dose eingeklebt.
Die Miniaturabstandshalter werden am Kemo Verstärker angebracht. Mit ihren Klebefüßen
werden sie in die Dose eingeklebt.


Die beiden Kabel vom Verstärker zum Lautsprecher werden angelötet. Der breitere Anschluss ist +
Die beiden Kabel vom Verstärker zum Lautsprecher werden angelötet. Der breitere Anschluss ist +

Um zur Befestigung des Lautsprechers die Muttern auf die Schrauben zu bekommen, ist an dieser Stelle ein ausreichend langer Steckschlüssel erforderlich, denn so eine Dose ist recht hoch! Am besten auch möglichst kurze Schrauben verwenden, damit die Muttern auch bis ganz unten geschraubt werden können. Bei zu langen Schrauben stößt diese eventuell hinten im Steckschlüsseleinsatz an bevor die Mutter unten angekommen ist.


Verlaufsbild: Loch für das Poti bohren, auf Endgröße feilen, Poti einbauen, Kappe drauf. Kabel am besten schon vorher anlöten und Litzen entsprechend lang lassen, damit kein Kabel spannt.
Verlaufsbild: Loch für das Poti bohren, Poti einbauen, Kappe drauf. Kabel am
besten schon vorher anlöten und Litzen entsprechend lang lassen, damit kein Kabel spannt.
An Ort und Stelle noch Erd-Verbindung zur Dosenwand anlöten.

Loch für die Klinkenbuchse bohren und auch richtigen Durchmesser feilen. Dann die buchse einbauen, auch hier die Kabel schon im Vorfeld anlöten.
Loch für die Klinkenbuchse bohren und auch richtigen Durchmesser feilen. Dann die Buchse einbauen,
auch hier die Kabel schon im Vorfeld anlöten.

Das fertige Produkt: Damit die Drähte nicht wild durcheinander wuseln, habe ich sie mit Scotchband überall fixiert.
Das fertige Produkt: Damit die Drähte nicht wild durcheinander wuseln, habe ich sie mit Isolierband
überall fixiert.

Ich habe bislnag zwei Dosenverstärker gebaut, diese sind durch Wahl der Dose und der Ptiknöpfe leicht individualisierbar.
Ich habe bislnag zwei Dosenverstärker gebaut, diese sind durch Wahl der Dose
und der Potiknöpfe leicht individualisierbar.



 

Wie klingt er nun?


Das Mikrofonieren von Verstärkern ist selbst ein Element der Klang-Formung, sprich: Jedes Mikrofon hat selbst charakteristische Eigenschaften, die den Klang des Verstärkers in der Aufnahme verändern. Ich habe zuerst versucht, den Dosenverstärker mit dem Klassiker Sure SM 57 aufzunehmen, fand aber, dass das Ergebnis nicht wirklich dem tatsächlichen Höreindruck entspricht.

Nach weiteren Versuchen mit den internen Mikros meines portablen Digital Rekorders habe ich die Dose einfach mit meinem iPhone aufgenommen. Was man hier hört, entspricht aber nahezu deckungsgleich dem Eindruck, den man live vor dem Dosenverstärker hat.

In Realität ist der verzerrte Ton des Dosenverstärkers eventuell noch etwas "knarziger". Ich habe die Aufnahmen mit Absicht aber nicht mit dem Equalizer malträtiert, die einzige Bearbeitung war die Umwandlung von Mono auf Stereo.

Auch kann eine Aufnahme nicht die Lautheit des Dosenverstärkers wiedergeben. Hier möge man mir glauben, dass er voll aufgedreht die Grenzen der Zimmerlautstärke schon sprengt.


Beispiel 1:

"Knarziger", crunchiger Sound

- Ohne Dosen-Deckel
- Steg-Humbucker ausgewählt
- Gitarren-Volume auf 100%; Verstärker Volume auf 50%
- Knackiger Anschlag, viele Up-Strokes

  

Beispiel 2:

Veranschaulichung der Reaktion auf Lautstärkeänderung der Gitarre

- Ohne Dosen-Deckel
- Steg-Humbucker ausgewählt
- Gitarren-Volume anfangs auf 50%, für angezerrten Sound dann auf 100% (ab 00:38 Sek.)

  

Beispiel 3:

Veranschaulichung der Reaktion des Verstärkers auf Dynamik-Änderungen

- Mit Dosen-Deckel
- Steg-Humbucker ausgewählt
- Gitarrenvolume auf 100%, zunächst leichter Anschlag bei glockigem, warmen Sound. Für 
  angezerrten Sound dann härterer Anschlag (ab 00:20 Sek.)

  



Fazit und weiterführende Ideen


Der Dosenverstärker teilt einige Eigenschaften seiner großen Brüder auf engstem Raum:

  • Bei Reduzierung der Betriebsspannnung nimmt sein Headroom ab und er geht leichter in die Verzerrung. Nur nuanciert härtere Anschläge schaffen es dann von einem Clean Sound zu einem satten Crunch zu gelangen. Reduzierung der Spannung heißt beim Dosenverstärker, dass die Batterie nicht mehr 9 Volt liefert, sondern eventuell nur noch etwas mehr als 6 Volt. Eben eine Batterie die langsam leer wird.

    Es will nun niemand seine fast leeren 9 Volt Blöcke sammeln, um den Dosenverstärker agressiver klingen zu lassen. Eine weiterführende Bastelidee wäre es, einen passenden Trimmer zwischen dem Pluspol des Batterie-Clips und dem Spannungseingang des Kemo Verstärkers anzubringen (eventuell von außen regelbar). Man könnte so auch bei vollen Batterien die Eingangsspannung des Verstärkers auf nur etwas mehr als 6 Volt absenken. Er wird dann schneller zerren und sich generell "knarziger" anhören.

  • Der Dosenverstärker reagiert sehr gut auf Pegeländerungen des Eingangssignals, d.h. man kann zwischen clean und angezerrt direkt über das Volume-Poti an der Gitarre wechseln - wie bei einem echten Röhrenverstärker. Auf Dynamikänderungen reagiert er genauso: Härterer Anschlag treibt ihn mehr in Richtung Verzerrung.

  • Bei Speaker Cabinets gibt es "Open Back"- und "Closed Back"-Varianten. Beim einen ist der Holzkasten, in dem die Lautsprecher sitzen, hinten offen. Beim anderen ist er hinten auch durch eine Holzplatte verschlossen. Auch der Dosenverstärker hat einen Deckel, den man anbringen oder abnehmen kann.

    Ähnlich der Speaker Cabinets hat der Sound ohne Deckel mehr Presence, die oberen Mitten und Höhen werden stärker betont. Wenn der Deckel drauf ist, dann wirkt der Sound wärmer, glockiger, er hat mehr low-end.


So, genug geredet. Nun viel Spaß beim Selberbasteln, der Sommer kommt bestimmt!