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Montag, 27. Dezember 2021

Verlorene oder defekte Effektgerätpedal-Böden durch Plexiglas ersetzen

Gerade bei rein batteriebetriebenen Effektgeräten älterer Bauart kommt es leider oft so, dass man wegen ständiger Batteriewechsel den Boden oft gar nicht mehr befestigt. Meistens waren diese Böden mit vier Schrauben befestigt und das nervt...tja, und irgendwann ist er dann abhanden gekommen. 

Im folgenden Video wird kurz erklärt, wie man solche Böden aus Plexiglas nachfertigen kann. Dies lässt sich mit Holzbearbeitungswerkzeugen verarbeiten. Hat man vermutlich eher im Haus als solche Werkzeuge zur Metallverarbeitung.

Natürlich besteht grundsätzlich das Problem, dass dort, wo vorher ein Metallboden verbaut war, dieser sicherlich zum Ableiten von elektrischen Störfeldern gedacht war. Eine Abwägung, die man bei der Ersatzbeschaffung im Einzelfall abwägen muss.

Farbiges Plexiglas kann man zumindest mit einer Kupferfolie im Inneren bekleben. Sofern es eine Bodenabdeckung ist, lässt sich auf den leitenden Effekt aber eventuell ohnehin gänzlich verzichten (sofern der Rest des Gehäuses noch mit Masse verbunden ist).


Wie auch immer, irgendjemand musste es ja mal machen, egal ob es sinnvoll ist oder nicht...bitteschön:


Dynacord Echocord Super 75: Reparaturbericht, Teil 1

 Dieses Gerät ist schon zwei Mal auf diesem Blog und meinem YouTube Kanal aufgetaucht. In "Frühjahrsputz, Teil 2" haben wir es von jahrzehntealtem Schmutz befreit. Als nächstes wurde die defekte Andruckrolle mit Hausmittelchen wieder hergerichtet.

Hier war die Geschichte leider noch nicht zu Ende, denn von der elektrischen Seite her passierte erstmal nichts Gutes: Eine Sicherung brannte immer sofort nach dem Einschalten durch. Diesen Fehlern diagnostizieren und beheben wir in dem diesem Video.


Wie der Name schon sagt, damit wird es nicht getan sein. Die Fehler reihen sich leider aneinander wie bei einer Perlenkette. Mehr im nächsten Teil...


Samstag, 11. September 2021

Papst Motor aus einer Echolette NG-51 S auseinanderbauen

Ich habe eine Echolette NG-51 S (zweite Serie, die mit den Platinen und Klinkeneingängen), die wirtschaftlich nicht mehr zu retten ist. Aber als Teilespender ist sie noch gut.

Ein Blick in das Innere des Papst Motors. 

Von außen sieht er nicht zu schlecht und beinahe unverdächtig aus, aber man kann sehen, dass auch gut aussehende Motoren unter Umständen eine Wartung benötigen.


Das Gerät hat Gilb und Flugrost an verschiedenen Stellen, das ist allgemein kein gutes Zeichen.

Wir entfernen zuerst den Innen-Seegerring und die Plastikkappe auf der Unterseite des Motors. Hier der erste ernüchternde Fakt: Die Schmierung ist ausgetrocknet und in Bröseln.


"Bröselmotor": Stahlkugel in der Mitte unbedingt aufheben!

Die Brösel kann man jetzt entfernen, unbedingt die kleine Stahlkugel aufheben, die auf der Motorwelle sitzt, diese ist das Kugellager des Motors.


Von der Schmierung ist nichts mehr übrig.


Auf der Welle sitzt nun ein weiterer Seegering in einer Nut, darunter ist eine Unterlegscheibe. Beides entfernen, die Unterlegscheibe eventuell mit einem Magentstift herausholen (nicht verkanten oder die Welle beschädigen).


Die Unterlegscheibe ist entwas fummelig herauszuholen

Ist die Unterlegscheibe entfernt, kann der Außenläufer abgezogen werden. Dies geht nicht ohne Widerstand, aber an diesem Punkt wird er tatsächlich von nichts mehr gehalten. Also entweder mit einem Abziehwerkzeug abziehen oder mit ein paar gezielten, kräftigen Rucken lösen.


Stator (links) und Außenläufer getrennt.

Nun wird sichtbar, dass nicht nur außen etwas Flugrost vorhanden ist - auch auf Stator und im Außenläufer ist einiger Rost, der dort nicht hingehört.


Staub und Rost auf dem Stator.


Dicker Rost auch im Außenläufer.


Wie viele Motoren, die genauso aussehen, verrichten noch ihren Dienst in Geräten, die teuer verkauft werden? Man kann sich schon aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass 90% der auf Ebay und Co. verkauften Geräte keine oder nur wenig Wartung gesehen haben!


Spiderman's Grab

Die elektrotechnischen Fakten stehen auf dem Motor. Baujahr 1965 ist realistisch.


Der Motor benötigt 42 Volt, die in der Echolette direkt von der Primärseite des Trafos abgegriffen werden, auch findet sich hier auch die Angabe, das ein 48 Microfarad Kondensator benötigt wird. Das Anschlussschema kann man dem Schaltplan entnehmen.



Der zerlegte Motor


Der Stator hat ein Gewicht von 422 Gramm, der Außenläufer wiegt 417 Gramm. Dies dient zugleich als Schwungmasse, um einen gleichmäßigen Motorlauf zu gewährleisten.

Sonntag, 1. August 2021

Schutzerdung eines WEM Watkins Copicat Mk 4

Das Copicat Mk IV aus Großbrittanien wurde mittlerweile gereinigt, kleinere Schäden wurden beseitigt. Das Gerät hat nun einen deutschen Netzstecker und eine Schutzerdung des Chassis erhalten.

Das YouTube Thumbnail ist eine Hommage an mein Lieblingsalbum von Metallica - Stromschläge sind kein Spaß, also: "Avoid the Lightning" - "Vermeide den Blitz"! Eine nachträgliche Schutzerdung alter Geräte kann hier den entscheidenden Beitrag leisten.


Samstag, 20. Februar 2021

Update zur fehlenden Copicat IC300 Knopfkappe

 

 
 
 
In meinem Video zur Reparatur des Watkins Copicat IC 300 habe ich erwähnt, dass dem Gerät auch eine der roten Knopfkappen fehlt.

Ich habe mich hier um Ersatz bemüht - kurz gesagt gibt es hier meinen Recherchen nach kein Originalersatzteil. Da eine fehlende Kappe natürlich auch kein funktionelles Bauteil ist, wird sich hier vermutlich auch niemand die Mühe machen, so etwas nachfertigen zu lassen.



Fehlende Knopfkappe rechts
Fehlende Knopfkappe rechts


Im Internet habe ich mich auf die Suche nach möglichst ohne weiteres Zutun passendem Ersatz gemacht und habe dieses Angebot hier auf Ebay gefunden. Ganz billig ist das für eine einzige Kappe auf den ersten Blick nicht, aber hier sind schon die Versandkosten mit drin.

 

Die Knopfkappe in der zweiten Reihe links sieht vielversprechend aus
Die Knopfkappe in der zweiten Reihe links sieht vielversprechend aus


Der Anbieter gibt auch die wichtigsten Maße mit an:

Maßangaben für den äußeren Radius und den Radius des Innenrings
Maßangaben für den äußeren Radius und den Radius des Innenrings


Angabe an welchen Stellen A und B gemessen wurden
Angabe an welchen Stellen A und B gemessen wurden


Natürlich gibt es optisch ein paar Unterschiede:
 
  • Die Originalkappe besteht aus Dreiecksflächen, die im Mittelpunkt ihrer Spitzen etwas überhöht sind
  • Der weiße Strich ist bei der Originalkappe etwas länger
  • Das Rot der Ersatzkappe ist etwas dunkler
  • Die Ersatzkappe sieht etwas kleiner aus
Man muss hier aber nicht päpstlicher als der Papst sein, die Frage ist letztlich immer, ob man den Unterschied tatsächlich wahrnimmt.


Links das Original, rechts die Ersatz-Knopfkappe
Links das Original, rechts die Ersatz-Knopfkappe


Was viel problematischer ist, ist die Unterseite:

Die Originalkappe hat einen sehr feinen Innenring, der ziemlich weit vom Rand entfernt ist, bei der Ersatzkappe ist es genau andersherum: Großer Innenring mit einiger Wanddicke und sehr nah am Rand.


Links das Original, rechts der Ersatz
Links das Original, rechts der Ersatz


Ein Dich-an-Dicht-Vergleich
Ein Dich-an-Dicht-Vergleich


Die Messung ergibt für die Originalkappe einen Außendurchmesser von 9 mm. Die Wandstärke des Rings ist ca. 1 mm.


Messung Innenring an der Original-Kappe
Messung Innenring an der Original-Kappe


Der Kappendeckel misst ca. 13mm.


Messung Durchmesser der Kappendecke
Messung Durchmesser der Kappendecke


Bei der Ersatzkappe ist der Außendurchmesser des Rings etwas weniger als 12 mm, allerdings ist an einer Stelle eine kleine "Nase" vorhanden, die ihn nochmal um 1 mm an dieser Stelle verbreitert.


Messung Innenring an der Ersatzkappe
Messung Innenring an der Ersatzkappe


Messung Innenring an der Ersatzkappe
Messung Innenring an der Ersatzkappe


Messung Durchmesser Kappendeckel am Ersatz
Messung Durchmesser Kappendeckel am Ersatz



Der Außendurchmesser des Knopfes am IC300 beträgt ca. 15 mm, innen sind es ca. 12 mm.


Vermessung des Knopfes am IC 300
Vermessung des Knopfes am IC 300

Allerdings ist das ernsthafte Problem, dass die originale Knopfkappe sich nicht direkt gegen die Innenwand des Knopfes drückt, sondern gegen sechs kleine Abstandhalter im Inneren des Knopfes.

Diese werden im Falschfarbenbild sichtbarer:


Im Inneren sieht man die kleinen Abstandhalter, die den Innenring der Original-Knopfkappe arretieren.
Im Inneren sieht man die kleinen Abstandhalter, die den Innenring der Original-Knopfkappe arretieren.



Das ist natürlich nicht so geschickt und obwohl die Ersatzkappe von den reinen Maßen fast perfekt passen würde - dass die Originalkappe von diesen seltsamen Abstandhaltern gehalten wird, macht die äußerlich fast perfekte Ersatzkappe leider unpassend!

Meine Idee war es dann, aus dem Innenring der Ersatz-Knopfkappe etwas rauszuschneiden, so dass der Rest zwischen die Abstandhalter passt:


Der grobe "Schneidplan"
Der grobe "Schneidplan"

 
Also Dremel raus und vorsichtig loslegen:

 
Grobschnitt
Grobschnitt


Nachfeilen
Nachfeilen


Passprobe und nochmal dremeln
Passprobe und nochmal dremeln


Dremeln und feilen und anpassen
Dremeln und feilen und anpassen

 

Irgendwann hat es dann ganz gut gepasst, allerdings sind so kleine Schnitte nicht mit solcher Präzision hinzubekommen, dass es dann ganz perfekt passt. Es hat gepasst, aber die Ersatzkappe hat sich nicht so fest zwischen die Abstandhalter geklemmt, dass ich ein gutes Gefühl gehabt hätte. Mit dem Fingernagel konnte ich sie ganz leich raushebeln.


Deswegen habe ich mich letztendlich doch entschieden, sie einzukleben (Superkleber).


Das Ergebnis überzeugt mich aber. Man wird es immer sehen, wenn man weiß, dass da eine Kappe nicht original ist, aber ich finde es ist vermutlich bestmöglich gelöst.

Die Ersatzkappe im Kreise der Originale
Die Ersatzkappe im Kreise der Originale


Von Nahem kann man den Unterschied erkennen
Von Nahem kann man den Unterschied erkennen

Sonntag, 6. Dezember 2020

Framus Schweller-/Volumenpedal (1960er)

Mir ist dieses schicke Volumenpedal, vermutlich aus den 1960ern, zugeflogen. 

 

Framus Volumenpedal
Framus Volumenpedal

 

Es hatte einen optischen Mangel und hat darüber hinaus die typischen Wartungen benötigt. Es ist aber so oder so ein interessantes zeittypisches Gerät, das ich hier dokumentieren möchte.

 

Zunächst einmal gab es dieses Volumenpedal vermutlich auch innerlich baugleich noch von zwei anderen Herstellern: Dynacord und Schaller.

 

Das gleiche Pedal von zwei anderen Herstellern
Iterationen des gleichen Themas

 

Auch im Vergleich mit dem ähnlich aussehenden Wah-Wah-Pedal ist das Volumenpedal recht bullig gebaut. Das ist da, um getreten zu werden und äußerlich hat es die Zeitläufte deshalb auch gut überstanden.


Das Pedal hat eine Länge von rund 26 cm
Länge: rund 26 cm

Die Höhe des Pedals beträgt bis zu 10 cm
Auf "leise" gestellt ganze 10 cm hoch.

Wie beim Wah-Wah-Pedal ist der Boden abschraubbar, die vier Schrauben halten zugleich vier Gummifüße. Anders als bei modernen Pedalen ist der Boden aber aus Metall und nicht aus Kunststoff.


Der Boden des Pedals mit Gummifüßen
Der Boden des Pedals mit Gummifüßen

Im Inneren herrscht keinerlei Enge:


Das Innenleben des Volumenpedals
Das Innenleben


Wie auf dem Bild oben ersichtlich ist das verstärkerseitige Kabel fest im Pedal angebracht. Als Zugentlastung dient eine Schelle, die im Gehäuse angeschraubt ist. Von der Zugentlastungsschelle führt interessanterweise eine Litze zum gemeinsamen Erdungspunkt an der Ausgangsklinkenbuchse.

Ja, diese kleinen Fäden sind tatsächlich haarfeine Drähte mit einer Ummantelung.

Ebenfalls zum gemeinsamen Erdungspunkt führt das Schirmgeflecht des Kabels.


Der "heiße" Draht geht zum Schleifer des Potis (Mitte), die mit der Erde verbundene Lötöse ist in Blickrichtung oben, der Ausgang zur Ausgangsklinkenbuchse unten.

Nicht sehr schön fand ich, dass die Zahnstange des Pedals extrem am Rand der Zahnhülse auf der Potiachse saß.


Das Potentiometer habe ich mir etwas genauer angsehen, auch weil mich interessiert hat, ob man hier eventuell etwas über das Alter des Pedals herausfinden könnte.


Das Potentiometer hat einen Widerstanbd von 1 Megaohm und einen logarithmischen Regelweg
1 Megaohm, logarithmisch


Leichte Verschmutzungen am Poti
Es ist überall ein wenig Schmutz, das kann man gleich säubern

Das Potentiometer
Das Potentiometer

Stemag Dralowid 51L
Stemag Dralowid 51L

Das Poti war zwar nicht mit dem Produktionsjahr gestempelt, aber es handelt sich um ein Dralowid 51L der Firma STEMAG (1921-1970). Damit ist das Alter irgendwie gesetzt, das Teil ist zumindest von vor 1970 bzw. das Poti ist von vor 1970. Dralowid steht übrigens für Drahtlose Widerstände.


Ich habe dann die Position der Zahnstange etwas verbessert, indem ich die Zahnscheibe, die das Poti am Gehäuse festkrallt, geändert habe. Statt auf der Schaftseite unter der Mutter, sitzt sie nun unten am Potigehäuse; dadurch wandert die Potiachse in Sichtrichtung nach unten:


Verbesserte Position der Zahnstange
Verbesserte Position der Zahnstange


Gefettet und auch die Kabel wieder angelötet
Gefettet und auch die Kabel wieder angelötet


Das Potentiometer habe ich mit dem Ohmmeter geprüft, es hat einen maximalen Widerstand von 1130 kOhm; die gemessenen Einzelwiderstandswerte sind stimmig über den kompletten Regelweg. 

Ich hatte noch keine Gelegenheit, es auszutesten und hoffe, dass es nicht kratzt.


Zuletzt musste der DIN-Stecker erneuert werden, das Original (?) war sehr angefressen:


Alt...

...und neu


Pin 1 ist der "heiße" Draht, Pin 2 wie immer Masse.

 



Sonntag, 28. Oktober 2018

Umbau einer günstigen Gitarre, Teil 6: Kassensturz und Fazit

[Zu Teil 5 dieser Blog-Post Reihe]

Wir sind am Ende des Umbaus einer günstigen E-Gitarre angekommen und es ist nun Zeit ein finanzielles und inhaltliches Fazit zu ziehen


Die fertig restaurierte MARATHON
noch einmal mit dem SAMICK Verstärker vereint


Lohnt es sich, eine günstige Gitarre umzubauen?


Das hängt davon ab, was der Lohn der Mühen sein soll, also was man sich am Ende davon erhofft.

Bei der Produktion günstiger E-Gitarren muss notwendigerweise irgendwo gespart werden. Es sind meistens der Korpus (Spanplatte statt Vollholz), der Hals (ohne oder mit extrem geringem Radius, weil das einfacher herzustellen ist und am wenigsten Verschnitt produziert) und die Elektrik (Tonabnehmer) - allesamt kritische Komponenten, die darüber entscheiden, wie ein Instrument klingt.

Gespart wird natürlich auch an anderen Dingen, die eher optischer Natur sind. Günstige Gitarren haben in der Regel kein Binding und auch die Lackierung ist meistens ein deckender Farbauftrag, denn man hat hier ohnehin meist keine Holzmaserung, die es zu präsentieren gilt.

Aus einer günstigen Gitarre kann man kein Custom Shop Instrument herausholen, man kann mit kleinen Umbauten aber hörbare Verbesserungen erreichen.

Beispielsweise können bessere Stimm-Mechaniken an einer Gitarre, die sich leicht verstimmt, dazu beitragen, dass die Stimmstabilität sich verbessert.

Andere Tonabnehmer werden sicher dafür sorgen, dass sich die Gitarre anders anhört.

Eine andere Bridge kann dafür sorgen, dass die Gitarre mehr Sustain erhält und ich kann sogar den Hals einer Gitarre austauschen, um ein besseres Spielgefühl und eine optimalere Saitenlage zu erreichen.

Neue Mechaniken, ein Set neue Pickups, eine neue Bridge - hierbei kann man ganz leicht plötzlich bei 400 € und mehr landen...und hat dann dennoch nur eine Sperrholzgitarre.
 
Mein Fazit ist, dass es sich nicht lohnt, wenn man die kalten Zahlen betrachtet. 400 €, die ich in eine 200 € Gitarre stecke, kann ich genauso gut weiter ansparen, noch länger die günstige Gitarre spielen und mir später im Bereich der Gitarren zwischen 900 ,- und 1300 ,- € etwas schon richtig Gutes leisten.

Wir Musiker betrachten aber selten die kalten Zahlen, wir sind meist ja doch so sentimental, dass wir an unseren Instrumenten hängen. Ich habe meine erste E-Gitarre wie gezeigt umgebaut und tue dies auch heute noch regelmäßig. Heute ist sie schon zwei Komplettumbauten weiter, die ich später auch in diesem Blog dokumentieren werde.

Die MARATHON ist meine Experimentier-Gitarre, aber ich nehme auch regelmäßig mit ihr auf, denn sie hört sich richtig gut an. Es hätte aber auch anders enden können, sie hätte am Ende auch schlecht klingen können.

Die Umbaukosten betragen mittlerweile Unsummen, sie haben aber auch etwas Entscheidendes gebracht, das es nicht beim Gitarrenhändler zu kaufen gibt - ein Einzelstück mit einem nicht zwei Mal zu bekommenden Sound und ein Instrument, mit dem mich ein halbes Leben verbindet.

Mein Fazit: Wenn ich mir die günstige Gitarre erst mit dem Ziel des Umbaus gekauft hätte und der sentimentale Wert gefehlt hätte, dann hätte es sich finanziell nicht gelohnt. Handwerkliches Wissen ansammeln lohnt sich aber immer, deswegen ist zum Basteln an günstigen Instrumenten nur zu raten. Man muss hier nur die Kosten im Auge behalten.

Ist es schwierig, eine günstige Gitarre umzubauen?


Das hängt von den handwerklichen Kenntnissen ab. Im E-Gitarrenbau trifft man auf verschiedene "Gewerke":
  • Elektrik
  • Holzbearbeitung
  • Metallbearbeitung
  • Malern/Lackieren: Wobei ich das ganz weggelassen habe. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bei diesem Projekt einfach noch zwei weitere Aufkleber auf dem Korpus angebracht habe, wo der Lack besonders unansehnlich war.
Falls man hier bereits Kenntnisse und Werkzeuge besitzt, dann ist es schon etwas weniger schwierig.

Wenn man hier keine Erfahrung besitzt, dann ist es sinnvoll, sich vorher zu informieren, wie etwas gemacht wird und welche Werkzeuge man hierzu benötigt. Dies kann in den einschlägigen Gitarrenforen, in Blogs wie diesem hier, in Fachzeitschriften wie GITARRE & BASS oder - Achtung Geheimtipp - auf der Webseite des US Zubehörhändlers StewMac passieren:



Lötstation, Fräsen, Bohrer, etc. sind nicht ganz billig und passendes Werkzeug wird man brauchen. Meine Erfahrung ist, dass falsches Werkzeug zu Verletzungen und Murks führt, deshalb immer die Regel beherzigen: Wer billig kauft, kauft zwei Mal.

Das soll keineswegs heißen, dass teuer immer besser ist, aber: Mit der Lötpistole aus dem Baumarkt erreicht man nicht die richtige Temperatur zum schnellen und sauberen Löten von z.B. Elektrolytkondensatoren (die kann man "kaputtbrutzeln") und an solchen Lötgeräten wird man auch keine Lötspitzen mit der benötigten kleinen Größe finden, um exakte Lötpunkte zu setzen.

Das muss in die "Gesamtrechnung" natürlich auch einfließen, auch wenn Werkzeuge sehr alt werden können und man sie für das nächste Projekt ohnehin wieder brauchen wird.

Eventuell sollte man sich im Vorfeld auch einmal umhören, ob man das ein oder andere Werkzeug nicht ausleihen kann oder ob nicht jemand aus dem persönlichen Umfeld bei einzelnen Arbeiten mit Rat und Tat zur Seite stehen kann.

Die Teileliste und Abschlussrechnung


Folgende Komponenten wurden gekauft und verarbeitet. Die Preise können sich in Zwischenzeit verändert haben.

Ich habe nur die gitarrenspezifischen Teile angegeben. "Kleinteile" wie den Stahlreiniger hat man eventuell schon zuhause oder kann ihn nach dem Gitarrenprojekt in der Wohnung weiterverwenden.

  • Dunlop Formula 65 Fretboard Kit                 (Thomann)       11,90 €
  • Schaller ST6L Stimm-Mechaniken                  (Rockinger)     43,50 €
  • Mechanikern Befestigungsschrauben 9,5mm [12x]   (Rockinger)     0,20 € [2,40 €]    
  • Butterfly String Tree, schwarz [2x]             (Rockinger)     2,10 € [4,20 €]
  • Shielding Kit (Kupferfolie) [2x]                (Rockinger)     12,50 € [25,00 €]
  • Halsbefestigungsschrauben Nickel [4x]           (Rockinger)     0,50 € [2,00€]
  • Fender Pickguard SSS Black Pearl, 11 Löcher     (Thomann)       49,00 €
  • Pickguard Schrauben Fender-style, schwarz [11x] (Rockinger)     0,25 € [2,75 €]
  • Fender Mexico Strat Vintage Narrow Bridge       (angela.com)    29,99 $ [ca. 26,00 €] 
  • Versand Fender Mexco Strat Bridge nach DE                       39,99 $ [ca. 35,00 €]
  • Zoll Fender Mexico Strat Bridge                                 9,67 €
  • Fehlkauf der ersten nicht passenden Bridge, hier blieb Verlust  ca. 40 €
  • Fender 5-Way Switch                             (Thomann)       8,90 €
  • Fender Tone Poti 250K (A) log Split shaft [3x]  (Thomann)       6,90 € [20,70 €]
  • Fender Poti Knöpfe Set of 3 in Farbe Parchment  (Thomann)       6,00 €
  • Allparts Switchcraft EP0055 Klinkenbuchse mono  (Thomann)       2,95 €
  • Göldo Kabel E9SCB Stoffmantel 1m schwarz        (Thomann)       5,80 €
  • Fender Pickup Set Strat Texas Special           (Thomann)       169,00               

Damit kommen wir in Summe auf 464,77 €.

Mit dem nicht gezählten Kleinkram können wir grob auf 500 € aufrunden, ebenfalls nicht gezählt sind verschiedene Werkzeuge, die ich mir gekauft habe, da ich diese ja auch für andere Projekte weiterverwende.

Ich habe das Gitarrenprojekt in meiner Freizeit an Abenden und Wochenenden durchgeführt. Vom ersten Sichten der Gitarre, der Recherche, dem Kauf der Bauteile bis zu den letzten Handgriffen des Zusammenbaus sind ca. drei Monate vergangen. Die Arbeiten habe ich vom Oktober 2013 bis in den Januar 2014 ausgeführt.

Die Gitarre ist mittlerweile 25 Jahre alt und hat heute einen gescallopten Hals und aktive EMG-Tonabnehmer...aber das ist Material für einen zuküntigen Post.


Umbau einer günstigen Gitarre, Teil 5: Elektrik


[Zu Teil 4 dieser Blog-Post Reihe]


Der Umbau der Gitarre war zugleich mein erstes Elektronik Projekt, deshalb habe ich bei der Elektrik eigentlich nichts besonderes gemacht.

Nur drei Dinge habe ich vermutlich ungewöhnlich ausgeführt:

  • Ich habe das E-Fach mit Kupferfolie ausgekleidet zur Abschirmung
  • Ich habe die Masseverbindung zur Bridge über einen Kabelschuh/Quetschverbinder eingerichtet (siehe rechts). Warum?

    Zu den E-Themen hatte ich im Vorfeld viel im Internet gelesen und war kurzzeitig verunsichert bezüglich des Themas, dass es in der Vergangenheit das ein oder andere Mal zu Stromschlägen durch den Verstärker kam. Natürlich ist das weit hergeholt, in den beschriebenen Fällen bestand ein Defekt am Verstärker oder es wurde daran herummanipuliert, so dass Spannung am Chassis anlag.

    Da über die Masseverbindung die Hand des Gitarristen praktisch eine Verbindung bis zum Verstärkerchassis hat, gab es deshalb High Voltage.

    Wenn man die Masseverbindung trennt, dann besteht diese Gefahr so nicht, die Gitarre kann aber etwas mehr brummen. Ich wollte mir die Möglichkeit einfach offen halten ohne Drähte trenne zu müssen. Deshalb der Steckverbinder.

    Ich denke das Thema sollte in unseren Breiten keines sein, ich habe das Kabel letztlich nie getrennt, deshalb ist diese Steckerverbindung eigentlich überflüssig.
   
Masseverbindung der Saiten über einen blauen Steckverbinder

  • Nochmal das Thema der Masseverbindung: Ich habe alle Masseverbindungen innerhalb des E-Fachs an einem zentralen Punkt zusammengeführt (nämlich an der E-Fach Abschirmung). Das hatte für mich hauptsächlich Gründe der Ordnung. In vielen Schaltungen werden alle Massekabel auf ein Poti aufgelötet oder es werden gar Poti-Beine nach oben geklappt und hier wieder am Poti festgelötet. Das fand ich ästhetisch doof und ich wollte mir auch kein Poti mit dem Lötkolben verbrutzeln.
          Stattdessen habe ich die beiden Schrauben, die den 5-Wege-Switch am Pickguard 
          festhalten, in je einen Ringkabelschuh gesteckt. In den einen habe ich die drei Massekabel
          der Pickups eingepresst, in den anderen alle Masseverbindungen von den Potis.

          Die Masse von den Saiten / der Bridge läuft einfach in eine Wand des E-Fachs. Da die Wände
          mit der elektrisch leitenden Folie ausgekleidet sind, wird hierüber die Masseverbindung der
          Bridge hergestellt.

          Auch die Rückseite des Pickguard ist mit elektrisch leitender Folie beklebt, somit haben die
          Ringkabelschuhe eine Verbindung zur gesamten Folie und alles ist eine große
          Masseverbindung um das E-Fach herum.


Mein Verdrahtungsplan

Abschirmung des E-Faches

Ich wollte in diesem Projekt das E-Fach sauber abschirmen, um elektromagnetische Einstrahlung und damit Brummen abzuhalten. Das ist bei einer Gitarre mit Singlecoil Pickups natürlich alles mit Abstand zu betrachten, denn die Pickups schauen ja nun einmal aus dem Pickguard heraus und sind wegen ihrer Bauweise sehr anfällig für das sogenannte 50 Hz Brummen.

Aber es schadet trotzdem nichts, etwaige Einstrahlung von den Kabeln im E-Fach fernzuhalten.

Zur Abschirmung gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum einen eine elektrisch leitende Spezialfarbe. Das Malern und Lackieren ist (bislang) noch nicht mein Ding, deshalb habe ich die zweite Möglichkeit bevorzugt: Eine elektrisch leitende Folie einzukleben, hier Kupferfolie.

Diese Folie ist selbstklebend, was die Verarbeitung sehr einfach macht.

Ich habe zunächst die Ausmaße des E-Fachs mit einem Bleistift und einem A4-Papier abgepaust. Dazu einfach das Blatt über das E-Fach legen und an den Kanten des E-Faches entlangpausen. Man kann das auch in verschiedenen kleineren Abschnitten mit entsprechend mehreren Blatt Papier erledigen.

Diese Schablonen habe ich dann ausgeschnitten und mir hiermit entsprechende Teile der Kupferfolie zurechtgeschnitten. Die Kupferfolie ist mit einer Schere schneidbar, aber es geht nicht 100% schön damit. Ein sehr scharfes Cuttermesser ist eventuell besser geeignet.


Schablonen und Kupferfolie

Die ausgeschnittenen "Böden" habe ich auf den Boden des E-Faches geklebt. Die Flanken/Seitenwände habe ich höhenmäßig ausgemessen und habe mir entsprechend breite Streifen der Kupferfolie abgeschnitten. Man kann bei jeder Abmessung ruhig noch ein paar Millimeter hinzugeben.

Ganz wichtig ist es, auch einige Streifen der Folie bis oben auf den Korpus hochzukleben. Die Rückseite des Pickguard wird auch mit elektrisch leitender Folie beklebt, so dass hier beim Aufschrauben des Pickguard dann der Kontakt mit der Folie im E-Fach geschlossen wird und wir einen "Faradayschen Käfig" bekommen (der Käfig in Anführungsstrichen, weil das Pickguard an der Stelle der Tonabnehmer ja Löcher hat und der Käfig deshalb nicht ganz geschlossen ist).

Das E-Fach ist komplett foliert


Sind alle Folienteile eingeklebt, dann prüft man am besten mit einem Multimeter in der Einstellung  "Durchgangsprüfung" an jeweils zwei Stellen die Leitfähigkeit. Jeder Punkt im E-Fach sollte mit jedem anderen Punkt im E-Fach elektrisch leitend verbunden sein und das Multimeter muss piepsen.

Die Kupferfolie ist nur an der Oberseite elektrisch leitend. Deshalb liest man zurecht, dass man zwei Folien, die nebeneinander liegen über einen kleinen Lötpunkt verbinden soll. Denn es ist ja die elektrisch nicht leitende Unterseite der einen Folie auf die elektrisch leitende Oberseite der daneben liegenden Folie aufgeklebt.

Im meinem Projekt war das aber kein Problem. Der Boden des E-Fachs war sehr rau, eventuell haben sich die übereinander geklebten Folien leicht durchstoßen und haben so einen Kontakt gebildet - wie auch immer.


Verlöten der Kabel und passiven Bauteile

Als nächstes habe ich mich mit den Pickups beschäftigt und dem Bestücken des Pickguards.

Zu meinem Erstaunen kamen die Fender Custom Shop Pickups (Texas Special) ohne Bohrung für die Schrauben.

Löcher zum selber bohren - sind die Lochabstände nicht genormt?

Es half nichts: Grob anhalten, markieren und dann ein Loch links und eines rechts bohren.


Mit zittrigen Händen in die 169 € Pickups gebohrt.

Bei diesen Pickups war die Befestigung am Pickguard sehr Old School gedacht, statt Federn gab es kurze Gummischläuche, in die die Schrauben hineingeschraubt wurden (siehe oben rechts und Mitte links auf dem folgenden Bild).

Kappen, Schrauben, Gummischläuche.
Alle drei Pickups mit dem Pickguard verschraubt
.
Das fertig bestückte Pickguard (Bild unten): Man sieht (mit blauen Enden) die beiden Ringkabelschuhe unter dem 5-Wege-Schalter. Als Kabel/Litzen habe ich ganz einfache, ungeschirmte Kabel mit gewachster Stoffummantellung genommen. Die Abschirmung macht die Kuperfolie, deshalb kann man bei den Litzen hier aus ästhetischen Gründen diese auf alt getrimmten Kabel verwenden.

Der Rest der passiven Komponenten auf dem Pickguard.

Eine marginale Änderung musste ich nach dem Zusammenbau der Gitarre erledigen. Sobald das Pickguard am Korpus festgeschraubt war, kam aus der Gitarre kein Ton mehr heraus. Mir ist dann aufgefallen, dass der 5-Wege-Schalter (offene Bauweise) Kontakt mit der Kupferfolie im E-Fach hatte - ein Kurzschluss war die Folge. Der Schalter ist viel größer als das Modell, das ab Werk in der Gitarre eingebaut war und deshalb hat er mit der Wand des E-Faches Kontakt.

Ich habe an den Stellen, an denen der Schalter Kontakt zur Kupferfolie hat, einfach Scotchband auf die Folie geklebt.

Im letzten Teil machen wir Kassensturz und fragen uns, ob es das alles Wert war.