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Freitag, 23. Oktober 2020

Defekter BOSS CS-3: "Leichenschau", oder - aus Defekten lernen

Ich habe seit einigen Jahren einen defekten BOSS CS-3 Compression Sustainer herumliegen. Das Gerät hat irgendwo um 2014 herum den Geist aufgegeben. Die Umstände sind mir nicht klar, er ging irgendwann einfach nicht mehr.

Was mir noch in Erinnerung war: Die LED leuchtete nicht mehr und es wurde nichts mehr komprimiert - das Gerät soll ja Dynamik verringern, also die leisen Töne lauter und die lauten Töne leiser machen. "Sustainer" bezieht sich darauf, dass auch die ausklingenden Töne wieder angehoben und so verlängert werden können.

Das Gerät habe ich einfach in den Schrank gelegt, mit dem Hintergedanken, dass es irgendwer eventuell reparieren kann. Mittlerweile traue ich mir elektrotechnisch etwas mehr zu als noch vor sechs Jahren, deshalb dachte ich, dass ich ja eventuell jetzt dieser "Irgendwer" sein könnte. Ein interessantes Übungsobjekt zum Lesen von Schaltungen und zur Logik der Fehlersuche und -behebung bietet der BOSS allemal und ich muss mich nicht ärgern, wenn ich das Gerät noch kaputter "repariere".


Zuerst habe ich das Effektgerät mal an mein kleines PC-Oszilloskop (Vellemann PCSU200) angeschlossen, das auch einen eingebauten Funktionsgenerator besitzt. Ich habe mir hierzu ein paar Hilfskabel zusammengelötet, die sehr hilfreich sind auch bei der Spektrum-/Frequenzganganalyse von Gitarren-Equipment:



Hilfskabel zur Schaltungsanalyse mit PC-Oszilloskop
Hilfskabel zur Schaltungsanalyse mit PC-Oszilloskop: 6,5 mm Klinke auf Cinch (Funktionsgenerator) sowie 6,5 mm Klinke auf BNC (Oszilloskop Kanaleingang)


Ich habe einen 500 Hz Sinus auf den Eingang gegeben und am Ausgang mit dem Oszilloskop gemessen, was ankommt.


Erster Funktionalitätstest des Effektgerätes: Was funktioniert überhaupt?
Erster Funktionalitätstest des Effektgerätes: Was funktioniert überhaupt?


Es ist ersichtlich, dass irgendetwas in dem Gerät noch arbeitet, beim Ein- und Ausschalten sieht man am Ausgang eine Amplitudenänderung. Ich gehe also davon aus, dass die Ein-/Aus-/Bypass-Schaltung (Flip-Flop) noch funktioniert.

Beim Drehen an "Level" (erster Regler) verändert sich ebenfalls die Amplitude, auch beim Drehen an den anderen Knöpfen. Ganz tot ist das Gerät also nicht. Die LED bleibt aber aus, deshalb schaue ich mir diese als erstes an.


Ich messe zuerst die Spannung am Netzteileingang zwischen + und - . Hier haben wir die zu erwartenden 9 Volt Gleichspannung.


Messung der Eingangsspannung
Messung der Eingangsspannung
 

Wenn ich allerdings die Spannung zwischen Anode der LED und Gehäuse messe, sind hiervon nur noch etwas mehr als 6 Volt übrig:


Messung der Spannung LED Anode gegen Gehäuse Nullpunkt
Messung der Spannung LED Anode gegen Gehäuse Nullpunkt


Schauen wir uns also den Schaltplan an; diesen findet man im Internet, offenbar allerdings nicht von BOSS direkt, sondern analysiert und nachgezeichnet von Enthusiasten. Dieser Schaltplan sagt nun aber ganz klar, dass an der LED 9 Volt anliegen sollen:


Schaltplan: Status-LED mit zusammengehörenden Komponenten
Schaltplan: Status-LED mit zusammengehörenden Komponenten


Der Aufbau ist hier eventuell etwas anders, als man das mit LED in Effektgeräten kennt. Statt einer Spannung und einem Vorwiderstand, liegen die 9 Volt direkt an der Anode der LED an. Die Spannungsregulierung erfolgt über eine Zener-Diode hinter der LED (D9). Diese hat eine Durchbruchspannung von 5v6, also 5,6 Volt - bedeutet: eng begrenzt im Bereich dieser Spannung wird sie leitend, der Stromkreis wird geschlossen und die LED sollte leuchten.

Der Widerstand hinter der Zener-Diode fungiert nur als Spannungsteiler, um den Transistor (Q3) dahinter nicht zu sehr zu belasten. Wie man liest, verwendet BOSS diesen Aufbau mit Zener-Diode, weil hier beim Abweichen von der Eingangsspannung die LED schwächer leuchtet und dann - je mehr die Eingangsspannung fällt - gar nicht mehr. Dies ist besonders bei Batteriebetrieb ein Indikator, die Batterie zu wechseln.


Ich konnte an der LED einen Spannungsabfall von ca. 1 Volt messen. Das war der erste Hinweis, dass die LED eher nicht defekt ist, sondern die Spannung einfach zu gering ist, um sie zum Leuchten zu bringen.

Meine erste Idee war nun, dass mit der Zener-Diode etwas nicht stimmt. Also habe ich diese einfach zum Testen überbrückt - und siehe da, die LED leuchtet:


Überbrückung der Zener-Diode: Die LED leuchtet!
Überbrückung der Zener-Diode: Die LED leuchtet!


Es folgte Ausbau der Zener-Diode und Einbau einer neuen 5v6 (1N4734).


Die entlöteten Lözaugen der Zener-Diode
Die entlöteten Lötaugen der Zener-Diode

Die neue Zener-Diode
Die neue Zener-Diode (D9)


Die LED leuchtete mit der neuen Zener-Diode nun!

 

Die LED leuchtet nach Tausch der Zener-Diode nun auch im Normalzustand
Die LED leuchtet nach Tausch der Zener-Diode nun auch im Normalzustand

Meine Hoffnung, dass sich dann die Spannungen auch wieder eher in Richtung 9 Volt verhalten, so wie es sein sollte, wurden allerdings enttäuscht. Im Rückblick konnte das auch nicht sein.

Was sich aber geändert hatte war, dass der Spannungsabfall an der LED nun minimal größer war. Aber auch an der Zener-Diode konnte ich nur 5,01 Volt messen. Das ist nichtmal die nominale Durchbruchsspannung. Warum leuchtet die LED dann jetzt plötzlich?

Nachdem ich die originale Zener-Diode ausgebaut hatte, habe ich sie mit einem Komponententester geprüft. Dieser arbeitet leider nur mit 5 Volt, deshalb kann er die tatsächliche Durchbruchsspanung nicht messen, allerdings erkannt er, dass ich eine Diode angeschlossen hatte. Also war sie doch nicht defekt?


Ich kann hier nur Vermutungen anstellen.Unter Umständen gibt es gewissen Streuungen bei den Zener-Dioden. Ich messe an der neuen Zener-Diode einen Spannungsabfall von 0,7 Volt. Also leitet sie bei den 5,01 Volt Eingansspannung nicht ganz, aber zumindest ein bisschen. Genug offenbar, dass die LED nun leuchtet.

In der Schaltung befindet sich an anderer Stelle noch ein Spannungsteiler, an dem man 4,5 Volt messen sollte:


Schaltbild: Spannungsteiler an anderer Stelle - hier 4,5 Volt
Schaltbild: Spannungsteiler an anderer Stelle - hier 4,5 Volt

 

Auch hier messe ich nur ca. 3,5 Volt.

Das eigentliche Problem scheint nun die Spannungsversorgung im Effektgerät zu sein. 6,43 Volt statt 9 Volt und 3,5 statt 4,5 Volt sind eine ganze Menge - ich glaube es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die Spannung im Gerät zusammengebrochen ist. Was kann da die Ursache sein?


An der Netzteilbuchse haben wir noch 9 Volt gemessen, also fangen wir mal hier an und verfolgen von dort die Schaltung.


Schaltbild: Schaltung der Versorgungsspannung
Schaltbild: Schaltung der Versorgungsspannung


Wir haben wie oben dargestellt den +9 V Bus, zu dem parallel eine Diode (D1) und ein Kondensator (C1) liegen. Ich vermute, dass die Diode ein Verpolungsschutz ist, der Kondensator zum Ausfiltern von Wechselspannungsoberwellen in der Schaltung ist. An beiden dürfte kein Spannungsabfall messbar sein, ich habe sie vorsichtshalber dennoch testweise komplett ausgebaut.


Leider bestand das Problem der zu niedrigen Versorgungsspannung immer noch, schlimmer noch: Am Widerstand R32 habe ich eine Spannung von ca. 2 Volt gemessen, die hier einfach gen Erde verschwindet! Wir haben es also mit so etwas wie einem "partiellen" Kurzschluss zu tun.

Im Schaltbild ist abgedruckt, dass der Widerstand R32 und die Diode D10 in neueren Modellen "gejumpered" sind. Also habe ich beide Komponenten testweise auch noch ausgebaut und mit einer Drahtbrücke überbrückt. In diesem Block der Schaltung waren nun also nur noch die Spannungsquelle, der Gehäusenullpunkt sowie - rechts im Bild - die + und - Anschlüsse der IC's 1,2 und 4.

Ich gehe zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass mit einem oder allen der IC's etwas nicht in Ordnung ist. Acht Beinchen pro IC, die direkt auf der Platine aufgelötet sind - supi!


Damit kommt der BOSS jetzt erstmal wieder in die Kiste, bis ich mal Lust habe, alle IC's auszulöten :-/

Freitag, 15. Februar 2019

Gehäuse für Effektgeräte: Erste Versuche zu einem professionellen Look


Vorgehensweise und Material


Effektgeräte-Bausätze haben ich schon öfters zusammengelötet. Da ich diese bislang aber eher zum Austesten von Modifikationen oder generell zum Verstehen von Schaltungen verwendet habe, war es mir nicht so wichtig, dass die Effekte überhaupt in Gehäusen eingebaut waren oder dass es generell neben der reinen Funktion auch ansprechend aussehen sollte. Das wollte ich jetzt mal ändern.

In diesem Fall war nun alles Neuland für mich, ich habe vorher weder mit Alu-Gehäusen noch mit Lacken nennenswerte Kontakte gehabt. Deswegen heißt dieser Beitrag mit Absicht "Erste Versuche": Es geht mit Sicherheit noch besser, es geht mit Sicherheit noch schöner. Wer was lernen will, muss aber Erfahrungen sammeln :-)

Ich habe mich vorab etwas auf Youtube informiert, was man alles machen kann, um ein Effektgerät in ein möglichst ansprechendes Gehäuse zu bringen. Für den ersten Versuch schien es mir am einfachsten, ein Alu-Gehäuse zu lackieren und hier über eine bedruckte Wasserschiebe-Folie noch ein Motiv aufzubringen.




Das fertige Produkt als kleiner Teaser am Anfang
Das fertige Produkt als kleiner Teaser am Anfang.


Wenn Ihr Erfahrungen mit Siebdruck oder Etching/Ätzen oder anderen Techniken zum Verschönern von Metallgehäusen gemacht habt, schreibt mir doch einfach einen Kommentar am Ende dieses Posts. Ich freue mich auf Eure Erfahrungen!


Wie immer stelle ich an den Anfang auch die Liste der verwendeten Materialien.


 Position               Lieferant         Menge        Preis (Summe)
 ============================================================================

 Dupli Color Basic      Amazon            1            ca. € 9,-
 Haftgrund für Alu
 (557255) 400 ml

 Dupli Color Effekt     Amazon            1            ca. € 7,-
 "Diamant Gold"
 (669255) 150 ml

 Dupli Color Aerosol    Amazon            1            ca. € 8,-
 Klarlack matt
 (744044) 400 ml


 Schleifpapier Set      Amazon            1            ca. € 10,-
 Nass/Trocken
 51 Stück Körning 120 
 bis 3000. 9x3,6 Zoll


 Handschleifblock       Amazon            1            ca. € 3,-

 Alu Gehäuse Typ BB     musikding.de      1            € 6,50

 Bremsenreiniger        Baumarkt          1            ca. € 4 ,-

 -Wasserschiebefolie für Tintenstraldrucker-

 20 Blatt Set A4        Amazon            1            ca. € 16,-

 1 Blatt  A4            musikding.de      1            ca. € 2,-



Bezüglich der Wasserschiebefolie ist das letzte Wort aus meiner Sicht noch nicht gesprochen. Ich habe hier zwei Optionen wiedergegeben:

Das über Amazon beziehbare Set ist zwar stückmäßig billiger als das Set vom Markenausstatter. Allerdings scheint mir die Folie aus dem Set dicker zu sein als die "Markenfolie". Aus manchen Blickwinkeln sieht man die Ränder der Folie unter dem Klarlack noch deutlich. Ich weiß nicht, ob das bei der Markenfolie anders ist, denn sie war über einen Zeitraum von ein paar Wochen nicht lieferbar und so habe ich das Projekt mit der Folie aus dem Set durchgezogen.

Beim nächsten Mal werde ich die Markenfolie nehmen, um die Unterschiede zu prüfen.


Die Kosten für die beiden Effektgeräte-Bausätze habe ich hier rausgelassen, da sie genaugenommen nichts mit dem Thema "professionell aussehendes Gehäuse" zu tun haben.

Für die Interessierten: Ich habe die beiden musikding-Bausätze "Der 45er" (Phaser) und "Der Angel" (Chorus) eingebaut. Zwei Effektgeräte in ein Gehäuse einzubauen ist auch keine besondere Schwierigkeit, man hat am Ende eben zwei Klinkenbuchsen und eine Netzteil-Buchse übrig. Der Ausgang des einen Effekts wird direkt mit dem Eingang des anderen Effekts verlötet, was in diesem Fall konkret über die Fußschalter passiert (True Bypass). Beide Effekte erhalten ihren Strom über eine einzige Netzteil-Buchse und damit ein einziges Netzteil, was dieses in der Regel locker aushalten sollte (beide Effekte benötigen 9 Volt Spannung).



Gehäuse vorbereiten


Als erstes müssen die Löcher ins Gehäuse. Dabei sind eigentlich nur zwei Dinge zu beachten: Erstens soll es möglichst symmetrisch sein, zweitens müssen Potis, Schalter und LEDs auch so positioniert werden, dass das nicht von außen sichtbare Innenleben auch noch Platz im Gehäuse findet.

Das muss man nicht zu akademisch angehen, ein guter Punkt zum Starten ist es, wenn man die Potis und Fußschalter schonmal möglichst weit voneinander entfernt platziert. Die Entfernung der Fußschalter vom Rand ergibt sich daraus, dass sie sich den Randbereich mit den Klinkenbuchsen teilen müssen. LEDs kommen nahe an die Fußschalter.

Mit ein wenig Anhalten sollte das alles per Augenmaß zu positionieren sein. Damit alle Komponenten aufeinander fluchten, habe ich mit Geodreieck und Bleistift Hilfslinien aufgemalt. Der Bleistift lässt sich, wenn alles gebohrt ist, leicht entfernen - beziehungsweise verschwindet schon von alleine, wenn das Gehäuse später angeschliffen wird.


Mit Geo-Dreieck und Bleistift werden die Positionen der Komponenten bestimmt.
Der Abstand der Komponenten ist im ersten Step durch Anhalten grob festzulegen.



Mit Geo-Dreieck und Bleistift werden die Positionen der Komponenten bestimmt.
Mit Geo-Dreieck und Bleistift werden die Komponenten zueinander gefluchtet.

Bei der Festlegung der Positionen muss man "mehrdimensional" denken...
Bei der Festlegung der Positionen muss man "mehrdimensional" denken...

...innen soll nichts aneinander stoßen.
...innen soll auch nichts aneinander stoßen.

Unbedingt auch die Platinen vorab einsetzen, es ist weniger Platz als man denkt!
Unbedingt auch die Platinen vorab einsetzen, es ist weniger Platz als man denkt!


Sind die Positionen für die Löcher angezeichnet, dann kann gebohrt werden. Ich habe die besten Erfahrungen mit Stufenbohrern gemacht. Diese lassen sich viel besser zentrieren, wenn man das Loch nach dem ersten Bohren doch noch größer braucht. Überhaupt: Gerne großzügig bohren! Die Löcher verschwinden nachher sowieso hinter einer Mutter und es ist kaum zu verhindern, dass beim Lackieren auch Farbe in die Löcher gerät. Wer zu knapp plant, muss nacharbeiten.

Alu-Druckguss ist übrigens härter, als man denkt: Damit der Bohrer am Anfang nicht verrutscht, kann man nach Bedarf mit einem Dorn eine Markierung schlagen. Und Alu-Guss macht beim Bohren eine veritable Sauerrei (feine, körnige Späne). Wenn ein Helfer dabei ist, sollte der beim Bohren den Staubsauger nahe am Bohrer halten.

Sind alle Löcher im Gehäuse, macht es Sinn, schonmal alle Bauteile zu montieren und zu schauen, dass wirklich alles passt. Änderungen nach der Lackierung könnten den Lack gefährden.

 

Möglichst kurz vor der Lackierung muss das Gehäuse angeschliffen werden. Der Grund: Alu eloxiert recht schnell, soll heißen, es bildet sich eine feine Oxidationsschicht aus, auf der Lack nicht richtig hält. Das muss also runter und dann sollte man umgehend einen Haftgrund für die weitere Lackierung auftragen.

Ich habe das Gehäuse mit 400er Schleifpapier und Schleifklotz per Hand geschliffen, bis das Alu hell schimmerte. Dann habe ich das Gehäuse mit Bremsenreiniger und einem fusselfreien Tuch gereinigt beziehungsweise entfettet. Ab diesem Punkt arbeiten wir natürlich mit Handschuh, denn Hautfett ist aggressiv und das wollen wir nicht unter dem Lack haben.

Nun kann die Grundierung erfolgen.

 


Grundierung


Der gesunde Menschenverständ rät dazu, dass man Lackierarbeiten nicht in geschlossenen Räumen durchführt. Ich muss sagen, dass ich auch belüftete Räumen nach ersten Erfahrungen für ungeeignet halte, da die Sprühdosen mit etwas Abstand zum Werkstück doch einen ordentlichen Nebel fabrizieren können.

Ich habe die Lackierung deshalb auf dem Balkon vorgenommen, um den Lack in Zaum zu halten, habe ich mir aus einem Karton eine rudimentäre "Lackierkabine" gebaut.


In den Ecken die Seitenwand des Kartons einschneiden und hochklappen.
In den Ecken die Seitenwand des Kartons einschneiden und hochklappen.

Wenn man eine Lackschicht aufgetragen hat, den Karton runterklappen, damit ist  der Lack dann rudimentär gegen Fusseln, etc. geschützt.
Wenn man eine Lackschicht aufgetragen hat, den Karton runterklappen, damit ist
der Lack dann rudimentär gegen Fusseln, etc. geschützt.


Das zu lackierende Gehäuse habe ich auf eine alte Tasse gestellt, damit kann man auch die Seiten gut  lackieren und kann durch Drehen der Tasse auch das Gehäuse leicht umpositionieren.
Das zu lackierende Gehäuse habe ich auf eine alte Tasse gestellt, damit kann man auch die Seiten gut
lackieren und kann durch Drehen der Tasse auch das Gehäuse leicht umpositionieren.


Da Lack nicht gut an Alu haftet, habe ich einen speziellen Haftgrund für Alu gekauft und das Gehäuse als erstes mal damit lackiert.

Der Haftgrund lässt sich sehr einfach verarbeiten, ich habe hier so oft direkt hintereinander Schichten aufgetragen, bis ich kein Alu mehr habe durchschimmern sehen. Gesprüht habe ich immer in einem Abstand von ca. 20 - 30 cm, so dass das Gehäuse nicht beregnet, sondern eher von einem Nebel bedeckt wird. Immer gleichmäßig von links nach rechts und von oben nach unten drüberschwenken. Ansonsten die Anweisungen auf der Dose beachten, besonders zu den Trockenzeiten.

Es beginnt mit dem Alu-Haftgrund
Es beginnt mit dem Alu-Haftgrund

Es beginnt mit dem Alu-Haftgrund
Unten links waren ein paar "Pickelchen" zu sehen, die kann man nochmal anschleifen und erneut lackieren.


Es beginnt mit dem Alu-Haftgrund
Alle Ecken und Enden sollen grundiert sein.

Wenn der Haftgrund durchgetrocknet ist und vor der eigentlichen Farblackierung habe ich das Gehäuse sehr vorsichtig mit einem 800er Nass-Schleifpapier angeschliffen. Die Grundierungsschicht ist nicht sehr dick, deshalb muss man den Anschliff vorsichtig angehen. Wenn zuviel abgetragen wurde und das Alu wieder durchblitzt, dann muss man leider nochmal Haftgrund nachsprühen.


Lackierung


Für den Farblack habe ich mir unbedingt einen Strukturlack aussuchen müssen. Das war für die erste Lackierarbeit eventuell nicht die beste Idee, da der Lack Glitterflakes enthält. Diese sind aber leider etwas auf dem Lack geschwommen und es war nicht so einfach, den Glitter gleichmäßig verteilt zu bekommen. Dadurch ist die Lackschicht am Ende vermutlich recht dick geworden.

Ganz gleichmäßig verteilt ist der Glitter letztendlich nicht, aber passend zum "Space"-Thema des Effektgerätes sieht das doch fast ein wenig wie ein planetarer Nebel aus.

Im Licht entfaltet der Glitter seine ganze Pracht.



Nicht zuviel auf einmal aufsprühen, sonst gibt es Lacknasen.



Meine erste Lackierung war holprig, aber das Endergebnis ist nicht so schlecht gelungen.


Nach der Farblackierung habe ich diese nicht angeschliffen, da wegen der Flakes im Lack ohnehin eine rauhe Oberfläche gegeben war. Lediglich eine Entfettung mit Bremsenreiniger habe ich vorgenommen und dann ein paar Schichten Klarlack aufgetragen, so lange bis die Oberfläche glatt war. Das ist insbesondere für den Auftrag der Wasserschiebefolie wichtig, denn diese würde auf einer rauhen Oberfläche nicht gut haften.

Für mich war das Sprühen mit der Dose sehr gewöhnungsbedürftig, man muss hier ein Gefühl für entwickeln. Die Lackschicht war auf der einen Seite auch nach mehrmaligem hin und her dünner, als ich es mir vorgestellt hätte. Einmal kräftig mit dem Schliefpapier drüber und man sieht fast wieder Alu!

Gleichzeitig läuft der Lackauftrag an den Seiten aber auch schnell und bildet Nasen, die sich nicht durch übersprühen kaschieren lassen. Da heißt es dann schleifen und nochmal sprühen.

Es ist also für den Anfänger nicht ganz einfach. Ich hab es letztlich irgendwie "gerettet", aber das Lackieren ist definitiv etwas, das ich mehr üben muss.

Durch meine Übungen war die Lackdose auch schneller leer als ich gedacht hätte und ich musste mir für den Boden etwas anderes ausdenken. Ich hatte noch eine zweite Lackdose mit einem Goldton, also habe ich diesen für die Lackierung des Bodens verwendet.

Beim Anschleifen des Lacks mit Nass-Schleifpapier passierte dann das Unerwartete: Der Lack löste sich komplett ab, er ließ sich richtig verschmieren. Hätte ich mal das Kleingedruckte auf der Dose gelesen, denn dieser zweite Lack war nur ein Dekolack und wasserlöslich...

Ich habe dann nicht weiter versucht, das ganze noch irgendwie zu retten, den Boden sieht ja ohnehin niemand. Stattdessen habe ich eine zweite Technik der Illustrierung ausgetestet und meine Frau mit Edding auf den Lack malen lassen. Darauf kam dann Klarlack und das scheint so auch zu halten.

Der Boden ist nicht ganz wie geplant geworden, die Bemalung mit Edding hat aber auch was für sich.
Der Boden ist nicht ganz wie geplant geworden, die Bemalung mit Edding hat aber auch was für sich.


Erstellung eines Designs für den Foliendruck


Alle Designs hat meine Frau für mich gemalt. Wir haben zuerst damit herumexperimentiert, mit einem Wacom-Tablet direkt digital zu zeichnen, das hat bislang aber nicht so gut geklappt, wie das Zeichnen auf Papier.

Mit Papier und Stift zum Effektgeräte-Design.
Mit Papier und Stift zum Effektgeräte-Design.


Nachdem das Design auf Papier feststand, hat sie den Zettel eingescannt und in Inkscape (kostenlose Vektor-Grafik-Software) importiert. Auf einer weiteren Ebene wurden dann den Linien der Zeichnung folgend Hilfslinien angelegt. 


Links ist die eingescannte Zeichnung mit den Hilfslinien zu sehen.
Links ist die eingescannte Zeichnung mit den Hilfslinien zu sehen.

Danach blendet man die unterste Ebene mit dem eingescannten Bild aus und zeichnet an den Hilfslinien entlang das eigentliche Bild nach. Vielleicht etwas umständlich, aber am Ende stand das Bild der "Diamant-Sonne" in Form einer auf jede Größe skalierbaren Vektorgrafik.

Rechts ist die über die Hilfslinien nachgezeichnete Vektor-Grafik zu sehen.
Rechts ist die über die Hilfslinien nachgezeichnete Vektor-Grafik zu sehen.

Mit der auch auf Papier gezeichneten Schrift wurde etwas ganz ähnliches gemacht. Zunächst wurde auch diese eingescannt und in Inkscape importiert.


Danach markiert man das Bild und wählt die Funktion "Bitmap nachzeichnen" aus, die die Rastergrafik in eine Vektorgrafik umwandelt. Denn wir wollen auch die Schrift verlustfrei skalieren können.

"Bitmap nachzeichnen" wandelt die Rastergrafik in eine Vektorgrafik um.
"Bitmap nachzeichnen" wandelt die Rastergrafik in eine Vektorgrafik um.


Wir wollen nun für Korrekturen die einzelnen Pfadpunkte anzeigen, denn 100% genau ist das Vektorisieren nicht.

Hierzu wählt man links das Vektorpfadwerkzeug aus und klickt dann die nachgezeichnete Schrift an.

Pfadpunkte anzeigen.
Pfadpunkte anzeigen.

Es werden nun sehr viele Pfadpunkte angezeigt, die Vektorisierung ist nicht perfekt, die Schrift sieht etwas anders aus als auf Papier. Da man bei so vielen Vektorpunkten nicht leicht manuell etwas "geradeziehen" kann, bietet es sich an, die Funktion "Vereinfachen" auswählen. Dann wird die Schrift auf die nötigsten Vektorpunkte reduziert.


Pfadpunkte reduzieren, um den Überblick zu behalten.
Pfadpunkte reduzieren, um den Überblick zu behalten.

Das kann im Endergebnis etwas verfremdet wirken, an dieser Stelle sind noch weitere manuelle Anpassungen notwendig. Einige Punkte sind manuell in Position zu verschieben, auch kann man jetzt noch weitere Punkte hinzufügen, dort wo sie benötigt werden.

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Die fertig "ausgebeulte" vektorisierte Schrift.
Die fertig "ausgebeulte" vektorisierte Schrift.

Zusammenfügen der Einzelteile.
Zusammenfügen der Einzelteile.


Der Ausdruck kann zum Test erst einmal auf normales Papier durchgeführt werden, so kann man ausprobieren, wie groß es konkret sein muss. Sind die Druckparameter ausgeknobelt, dann kann der Druck auf die Wasserschiebefolie erfolgen.

Hierbei ist unbedingt zu beachten, dass die Folie nach dem Druck mit Klarlack besprüht werden muss. Ansonsten verteilt sich die Tinte im Wasser in alle Himmelsrichtungen. Auch hilft die Klarlack-Deckschicht ein wenig, die Folie stabil zu halten. Zumindest die von mir verwendete Folie (im Bild unten erkennbar) hat eine große Neigung gehabt, sich nach dem Ablösen vom Trägerpapier einzurollen.


Nach dem Bedrucken muss die Folie lackiert werden. Diese Info fehlt meistens auf
der Folien-Packung.




Wobei, vielleicht steht es doch auf der Verpackung???


Design-Folie aufbringen


Ist der Klarlack auf der Folie durchgetrocknet, kann sie zurechtgeschnitten werden. Ich habe die Diamant-Sonne und die Schrift oben drüber in einem Block belassen und möglichst passend zurechtgeschnitten.

Die kleinere Schrift über den Potis habe ich als zweiten Block im Ganzen ausgeschnitten.



Die bereits mit Klalack fixierte Folie wird nun möglichst passend zurechtgeschnitten
Die bereits mit Klarlack fixierte Folie wird nun möglichst passend zurechtgeschnitten.


Eventuell schneidet man das nicht so knapp aus, der "Diamond"-Zipfel hat sich nach dem Lösen vom Trägerpapier hartnäckig immer wieder eingerollt.

Aber nicht zu detailliert ausschneiden, sonst wird es ein Kampf beim Aufbringen
Aber nicht zu detailliert ausschneiden, sonst wird es ein Kampf beim Aufbringen.


Diesmal entfetten wir das Gehäuse nicht mit Bremsenreiniger sondern einfach mit Spüli in lauwarmem Wasser. Bei der ganzen Prozedur tragen wir Spülhandschuhe, damit nicht wieder aggressives Hautfett auf das Gehäuse gelangt.


Das Gehäuse muss nun entfettet werden: Handschuhe und Seifenwasser
Das Gehäuse muss nun entfettet werden: Handschuhe und Seifenwasser.


Mit klarem Wasser nachspülen!
Mit klarem Wasser nachspülen!


Zum Schluss mit einem fusselfreien Tuch trockentupfen
Zum Schluss mit einem fusselfreien Tuch trockentupfen.


Das entfettete Gehäuse: Jetzt nicht mehr ohne Handschuhe anfassen
Das entfettete Gehäuse: Jetzt nicht mehr ohne Handschuhe anfassen.


Ich habe jetzt keine Fotos vom Auftragen der Folie, weil ich keine Hände frei hatte :-)

Zusammengefasst geht es so:

Folie in kaltes Wasser einweichen. Nach ein paar Minuten löst sich die Folie vom Trägerpapier. Geht das nicht von selbst, dann kann man mit einem Schaschlickspieß vorsichtig nachhelfen.

Ich habe dann das Gehäuse ins Wasser getaucht und unter die Folie geschoben. Dann außerhalb des Wassers die Folie so zurechtgerückt, bis es gepasst hat. Solange es feucht ist, ließ sich die Folie prima verschieben.


Die Wasserschiebe-Folie ist aufgebracht und trockengetupft
Die Wasserschiebe-Folie ist aufgebracht und trockengetupft.


Als alles saß, habe ich es mit einem fusselfreien Tuch vorsichtig trockengetupft. Im ersten Versuch habe ich das Gehäuse dann einen Tag stehenlassen, das war falsch. Wenn die Wasserschiebefolie ganz austrocknet, löst sie sich wieder vom Gehäuse.

Deshalb nach dem Trockentupfen noch ein paar Minuten antrocknen lassen und dann gleich mit mehreren Schichten Klarlack versiegeln.



Zum Schluß noch zwei Schichten Klarlack aufgesprüht
Zum Schluß noch zwei Schichten Klarlack aufgesprüht.


Das Ganze dann gut durchtrocknen lassen und der Einbau der Elektronik kann beginnen.


 

Bestückung des Gehäuses


Im Prinzip hatten wir das ja vor dem Lackieren schonmal: Alle Bauteile wieder einsetzen und diesmal auch festziehen.

Als erstes setzen wir wieder die außen sichtbaren Teile ein
Als erstes setzen wir wieder die außen sichtbaren Teile ein.


Viele Drähte waren anzulöten, dies ist das fertige Innenleben.



Dann wird der Lötkolben geschwungen.
Dann wird der Lötkolben geschwungen.



Mit dem Anschrauben des Bodens ist das Effektgerät soweit fertig.



Der gold lackierte Boden passt wie ich finde sehr gut.
Der gold lackierte Boden passt wie ich finde sehr gut.

Das fertige Effektgerät.
Das fertige Effektgerät.

Das "Gesicht" des Gerätes mit Schaltern, Potis und LEDs.
Das "Gesicht" des Gerätes mit Schaltern, Potis und LEDs.

Und zwei böse glühende Augen.
Und zwei böse glühende Augen.