Mittwoch, 28. November 2018

Marshall Code 25: Einbau eines Anschlusses für einen externen Lautsprecher

 

Kleine Störenfriede


Der Marshall Code 25 hat einen eingebauten 10 Zoll Lautsprecher, der für den Verstärker natürlich ausreichend groß ist. Ein 25 Watt Verstärker sollte aber eigentlich in der Lage sein, mehr als einen solch kleinen Lautsprecher anzutreiben, oder?

Ein 25 Watt Verstärker ist immer noch 66% so laut wie ein baugleicher 100 Watt Verstärker, denn das Verhältnis zwischen Leistung (in Watt) und Lautstärke ist nicht linear. Die Formel:

X% = 2^log10(25/100) * 100

Wohlgemerkt baugleich: Transistorenverstärker benötigen nämlich eine drei Mal so hohe Leistung, um auf das Niveau eines von den Zahlen her "gleichwattigen" Röhrenverstärkers zu kommen. Bedeutet also für die 25 Watt "Transe" grob:

2^log10(8,3/100) * 100 = 47

Der Code 25 könnte also immer noch rund 47% der Lautstärke eines 100 Watt Röhren Marshalls erreichen.


Aber was soll das Ganze?


Schließlich ist der eingebaute Lautsprecher ja genau passend für den Code gefertigt - er ist eher neutral, denn die Voicings kommen von den Presets und es ist dem Ganzen nicht unbedingt dienlich, diesen genau abgestimmten Einstellungen durch spezielle Klangeinfärbungen verschiedenster Speaker-Modelle etwas hinzuzufügen.

Zudem ist der Code 25 ein klassischer Übungsverstärker, niemand würde auf die Idee kommen diesen oben auf zwei 4x12'' Cabinets zu stellen, oder? Nun...nein, das war auch nicht meine Intention.
Hierfür gibt es zudem den Code 100, zumindest mit einem Cabinet.

Nein, meine Intention war es, den Code 25 auch bei Aufnahmen mit meiner Band einsetzen zu können. Das Silver Jubilee Preset hört sich sagenhaft an, wäre doch Schade, wenn man das nur zum Üben hätte.

Wir sind Home-Recorder und nehmen Gitarren immer über eine Grossmann SG Iso Box auf. Das ist ein stark schallisolierter Kasten, in dem sich ein 12 Zoll Lautsprecher befindet. Es gibt Befestigungspunkte für Mikros und Kabelführungen nach außen. Mit so einer Grossmann Box kann man feinsten Gitarrenrock aus voll aufgerissenen Verstärkern aufnehmen, ohne das SEK auf den Plan zu rufen.

Der hierzu eingesetzte Verstärker muss natürlich eine externe Lautsprecherbuchse haben - bei Top-Teilen normal, bei vielen Combos üblich, aber eben nicht beim Code 25. Dieser hat andere Möglichkeiten, die die Ingenieure wohl eher im Sinn hatten: Man kann ihn per USB an den Computer anschließen und er verhält sich dann wie ein Audio-Interface, das man auch von DAW-Software aus nutzen kann. Soweit so gut, aber diese Methode passt nicht recht in unseren Workflow. Also umbauen!


 

Zwei sehr ernst gemeinte Warnungen vorweg!

 

  • Ein solcher Umbau lässt natürlich die Garantie des Verstärkers ablaufen. Alles, was durch Änderung der Werksspezifikationen zu einem Defekt führt, ist zu 100% Selbstverschulden.
  • Wenn wir von Verstärkern reden, haben wir es nicht mit der Millivolt-Bastelei an Gitarren zu tun. In Verstärkern finden wir Netzspannung, bei Röhrenverstärkern in Teilkomponenten sogar Hochspannung. Kondensatoren können je nach Bauart und Größe noch Stunden später geladen sein und sich schlagartig entladen, wenn die Bastelfinger sie berühren. "High Voltage" ist auf dem Plattenteller gut, nicht im Körper! Das Öffnen von Verstärkern ist lebensgefährlich und es ist nur ratsam, dies von einem Fachmann erledigen zu lassen.

 

 

 

Auf was ist zu achten?

 

Der Einbau einer externen Lautsprecherbuchse ist relativ "basic". Die weiter unten gezeigte Vorgehensweise klappt so im Prinzip bei jeder Combo.

Für den Anschluss externer Lautsprecher gelten aber Regeln. Ich will hier kurz über den Anwendungsfall hinausgehen, weil das sehr wichtig zu verstehen ist:

  • Lautsprecher haben eine gewisse Impedanz, angegeben in Ohm. Im Gitarrenbereich stößt man in der Regel auf 4 Ohm, 8 Ohm oder 16 Ohm.
  • Der Lautsprecher stellt für den Verstärker eine gewisse "Last" dar. Es ist mitnichten so, dass der Verstärker "etwas mit dem Lautsprecher macht", der Lautsprecher "macht auch etwas mit dem Verstärker", um das mal vereinfacht so zu formulieren. Deshalb müssen beide aufeinander abgestimmt sein.
  • Wenn der Lautsprecher nicht auf den Verstärker abgestimmt ist, also ein sogenanntes "Mismatch" vorliegt, dann sind die Folgen unterschiedlich je nachdem, ob es sich um einen Röhrenverstärker oder einen Transistorenverstärker handelt.
  • Röhrenverstärker kommen mit einem Mismatch überhaupt nicht gut zurecht. An einen Verstärker mit einem 8 Ohm Ausgang sollte man nichts anderes als eine 8 Ohm Box anschließen. Vor allem dürfen Röhrenverstärker niemals ganz ohne Lautsprecher bestrieben werden.
    Röhrenverstärker haben meist mehrere Ausgänge und damit dann doch verschiedene Lautsprecher-Optionen. Genaueres steht im Herstellerhandbuch, an das man sich sklavisch halten sollte.
    Hat der angeschlossene Lautsprecher nämlich eine niedrigere Impedanz als der Verstärker, dann fließt ein zu hoher Strom und die Endstufenröhren können Schaden nehmen, weil sie den viel zu hohen Strom liefern müssen. Hat der Lautsprecher eine zu hohe Impedanz, dann kann es den Ausgangsübertrager treffen, weil dieser "seinen Strom nicht los wird".
  • Für Transistorenverstärker gilt im Prinzip dasselbe: Gleiche Impedanz von Verstärker und Lautsprecher ist am besten. Dagegen führen Lautsprecher mit niedrigerer Impedanz zu einem höheren Stromfluss und das überlastet den Verstärker.
    Duldsamer sind Transistorenverstärker, was Lautsprecher mit höherer Impedanz angeht. An einen 4 Ohm Transistorenverstärker kann man eine 8 Ohm Box anschließen, der Verstärker kann dann aber nicht seine volle Leistung entfalten und ist dann einfach leiser.

Der 10'' Lautsprecher des Marshall Code 25 hat einen Impedanz von 4 Ohm. Das ist sehr ungewöhnlich im Bereich der Röhrenverstärker, die ich und mein Bandkollege sonst spielen. Wir haben eigentlich nur Lautsprecher und Cabinets mit 8 Ohm Impedanz, deswegen plane ich dieses leichte Mismatch hier von vorneherein ein.



Teileliste

  

Das Herzstück des Umbaus ist eine schaltbare Mono-Klinkenbuchse für 6,3 mm Klinkenstecker.
 

Schaltbare Klinkenbuchse



Der Clou bei dieser Buchse ist, dass der Kontakt auf einer Seite wie eine Wippe ausgeführt ist. Der Kontakt zwischen beiden Seiten ist geschlossen, wenn kein Kabel eingesteckt ist. Ist aber ein Kabel eingesteckt, dann drückt der Stecker die Wippe nach oben und ein Spalt zwischen beiden Seiten entsteht.

Ist ein Stecker in der Buchse, sind
beide Seiten voneinander getrennt
  

Die Logik ist nun, an der "Wippenseite" das Kabel vom Verstärkerausgang anzuschließen, auf der anderen Seite das Kabel zum internen Lautsprecher. Ist also kein externes Kabel in die Buchse eingesteckt, dann besteht die Verbindung vom Verstärkerausgang zum internen Lautsprecher.

Ist ein externes Kabel eingesteckt, dann besteht die Verbindung zum externen Lautsprecher.

Aus der Betrachtung zur Lautsprecherimpedanz ergibt sich, dass nicht gleichzeitig der eingebaute und der externe Lautsprecher mit dem Verstärkerausgang verbunden sein dürfen! Die einfache Mechanik dieser Klinkenbuchse verhindert dies.


An der Spitze des Steckers ist Plus,
am Schaft Minus


Die komplette Teileliste sieht so aus:


Artikel                      Lieferant     Art.-Nr.       Preis
================================================================

Cliff 6,3 mm Mono Buchse     Tube-Town     cl-1160        0,85 €

Anschlussterminal rund       Tube-Town     term-r01       1,65 €
6,3 mm 

Kabelsatz für Lautsprecher   Tube-Town     tt-ws02        13,50 €

Flachstecker Kabelschuh      Ebay                         ca. 5,99 €
6,3 mm   ca. 20er Pack 

3 x Schwarze Holzschrauben   Baumarkt                     ca. 1,50 €
Durchmesser ca. 3,2 mm                    




Der Umbau kostet also so um die 25 €.





Der Umbau



Zunächst ist die Rückwand abzuschrauben. Diese ist mit Torx-Schrauben befestigt, es wird hier ein Torx 20 (T20) Werkzeug benötigt.

Die Rückwand sitzt ziemlich stramm, nach dem Lösen der Schrauben muss man sie vorsichtig mit einem flachen Schraubenzieher heraushebel. Hier ist Vorsicht angebracht, das Holz ist eher weich und bricht an den Rändern leicht aus.

Um die Rückwand abzunehmen, müssen als nächstes die Anschlüsse der Netzteil-Buchse gelöst werden. Diese sind Flachstecker und können vorsichtig abgezogen werden.


Die drei Stecker müssen gelöst werden, um die
Rückwand ganz abzunehmen.





Hier ist es sinnvoll, vorher ein Foto zu machen, dann muss man sich hinterher nicht überlegen, welcher Stecker wo angeschlossen war. An dieser Stelle auch nochmal der Hinweis zum Strom: Ein gerade ausgesteckter Verstärker kann beim Berühren der Anschlüsse noch Strom abgeben!

Ist die Rückwand ab, können die Holzarbeiten beginnen.

Das Holz hat eine Stärke von ca. 6,24 mm. Das ist zu dick, um die Klinkenbuchse direkt in die Rückwand einzusetzen. Deshalb steht auf der Einkaufsliste das Anschlussterminal.



Die Klinkenbuchse ist auf das Anschlussterminal
geschraubt



Die Position der Bohrung kann im Prinzip frei gewählt werden, ich habe mich für die Mitte entschieden. Mit einem passenden Werkzeug (Bohrer, Dremel, Feile) ist eine Öffnung in passender Größe zu schaffen. Man kann das grob anzeichnen, an den Umrisskanten mit einem kleinen Bohrer anbohren und die Feinheiten dann mit einer Fräse aussparen. Wie immer gilt auch hier, dass man zwischen dem Bohren / Fräsen ruhig immer mal wieder das Anschlussterminal anhalten sollte, um zu prüfen, wie viel noch weggenommen werden muss.

Das Anschlussterminal wird dann mit drei Holzschrauben an der Rückwand angeschraubt.
Die Verkabelung sollte nun eigentlich ein Kinderspiel sein, aber: Details, Details, ...

Ein Problem war, dass sich die Kabel am Verstärkerausgang nicht lösen lassen (siehe roter Pfeil). Ich habe es mit Händen und Zangen versucht, es geht nicht. Die Stecker sind wohl verpresst.


Diese Stecker sitzen: Nicht die Platine zerreissen!



Also habe ich die Kabel nur am internen Lautsprecher abgezogen und mit einem Kabelpaar aus dem gekauften Kabelsatz eine Verlängerung gebaut: Einfach auf eine Seite des Kabelpaars Flachstecker aufgepresst und das Kabel vom Verstärkerausgang an die Verlängerung angeschlossen.



Ein kurzer Satz zu dem gekauften Kabelsatz: Es gibt sicher noch andere Kaufoptionen, aber das von mir verwendete Teil hatte zwei Kabelsätze mit Kabelschuhen auf einer Seite und einer Stereo-Klinkenbuchse an der anderen Seite angelötet. Diese angelötete Buchse ist dann entsprechend abzuschneiden und die losen Enden mit Kabelschuhen zu versehen. Die Kabelschuhe bekommt man mit einer Spitzzange und einer ruhigen Hand leicht an die Kabel.

Damit es keinen Kurzschluss gibt, habe ich die Flachstecker-Kabelschuh Verbindung mit etwas Isolierband umwickelt. Nicht wunderschön, aber funktionell.


Das Original-Lautsprecherkabel wurde
verlängert, damit es bis zur Rückwand reicht.



Wie schon angemerkt, kommt das Kabel vom Verstärkerausgang auf die Seite mit dem Wipp-Kontakt.



Die komplette Verkabelung im Überblick:



Die fertige Verkabelung.




Nach dem Zusammenschrauben kann sich das Ergebnis sehen lassen, es fügt sich optisch perfekt ein und könnte so ab Werk sein.




Fügt sich perfekt in die Optik ein







Donnerstag, 15. November 2018

Quick Fix #1: PRS Vibrato-Hebel befestigen

An meiner PRS CE 24 saß der Vibrato Hebel ziemlich locker, schlimmer: Nach exzessivem Benutzen fliegt er fast von alleine aus seinem Loch heraus.

Der Hebel hat kein Gewinde, wie man es bei Fender kennt, er ist also nirgends eingeschraubt und wird auch nicht wie bei Fender von einer kleinen Feder im Gewinde gehalten.

In der PRS-Öse wird der Hebel von einem mittig geteilten Gummiring festgeklemmt:

Mittig geteilter Gummiring in der Öse
Der Hebel wird im Gummi gehalten.
                               

Kann es sein, dass das Gummi ausgeleiert ist? Oder gebrochen?

Nein! Für die Wahrheit möge man den Kopf etwas zur Seite drehen:

Es gibt direkt hinter der Öse eine kleine Befestigungsschraube. Diese wird mit dem silbernen Imbus-Schlüssel angezogen, der beim PRS-Bordwerkzeug dabei war.


Gut versteckt auf der Rückseite: Die Befestigungsschraube

Nun sitzt wieder alles bombensicher...keep on rocking!

Sonntag, 11. November 2018

Zwei sinvolle Verbesserungen an einer '95er Fender Jaguar (MIJ)

Ich habe in meine Fender Jaguar eine andere Bridge eingebaut und die originalen Stimm-Mechaniken durch Locking Tuner ersetzt. Beide Änderungen waren "swap in", es musste nichts gebohrt oder gefräst werden. Die Gitarre kann somit jederzeit wieder auf Originalzustand gebracht werden.

62er Probleme


Das Fender "Jaguar" Modell wurde in den 1970er Jahren eingestellt und dann viele Jahre lang gar nicht produziert. In den 1990ern hat Fender aber ein Reissue der Jaguar in Japan herstellen lassen (auf der Höhe der Grunge-Welle sicherlich eine gute geschäftliche Entscheidung).

Die 90er MIJ ("Made In Japan") Modelle sind ein Nachbau der 1962er Jaguar, ich besitze seit 1996 so ein Reissue Modell, das in 1995 gebaut wurde.

1962er Nachbau - 1962er Probleme: Mich haben von Anfang an zwei Dinge besonders gestört, die sich nicht in den Griff bekommen ließen und die einfach ein Konstruktionsfehler sind:


  1. Die Saitenreiter der Jaguar Bridge sind tonnenförmig und mit einer Riffelung über die gesamte Breite versehen. Es war so gedacht, dass die Saiten in einer dieser Rillen liegen, was auch gut funktioniert hat, wenn man gemächlich spielt.

    Rillen auf den tonnenförmigen Saitenreitern

    Bei sehr harten Anschlägen neigten die Saiten aber dazu, von einer Rille zur nächsten zu springen, was man deutlich in einem "Pling" und schrägen Ton hören konnte und was einfach sehr irritierend ist.
  2. Die Gitarre ist nicht gut zu intonieren. Zum Intonieren muss man die Schrauben der Saitenreiter jeweils rein oder raus drehen, so dass sich der tonnenförmige Saitenreiter in Richtung Brücke beziehungsweise gen Sattel verschiebt.
    Die Schraube ist natürlich genau mittig im Saitenreiter angebracht, genauso wie auch die Saite. Dreht man die Schraube zu weit rein, dann kommt sie vorne heraus und bewegt sich auf die Saite zu. Wenn sich Saite und Schraube in die Quere kommen, hat man klanglich ganz andere Probleme als die korrekte Intonation.

Intonationsschraube und Saite kommen sich in die Quere



Neben diesen zwei großen Themen hatte die Jaguar Bridge auch die Eigenschaft, nach vorne zu kippen, ich werde etwas später noch darauf eingehen, warum das so ist. Dieses Problem war aber nicht so tragisch, deswegen soll es hier wenig Raum einnehmen.


Ich habe zuerst in örtlichen Gitarrenläden nach einer Lösung gefragt, mir konnte aber niemand so recht helfen. Zumindest noch in den frühen 2000ern war eine Jaguar offenbar nichts, was der typische kleinstädtische Gitarrenladen auf der Werkbank hatte.

Später habe ich aber im Internet von anderen Gitarristen gelesen, die genau dieselben Probleme hatten und es wurden hier Lösungen diskutiert. Eine dieser Lösungen bestand darin, die Saitenreiter von der Fender Mustang zu verwenden. Diese waren auch tonnenförmig, hatten aber nur eine tiefere mittige Rille, aus der die Saite nicht so einfach herausspringen konnte.

Wenn ich mir aktuelle Jaguar Modelle ansehe, dann habe ich den Eindruck, dass Fender genau diese Lösung mittlerweile ab Werk einsetzt. Sie gefiel mir aber nicht, weil Tim zu dieser Zeit eben noch keine Lust zum "basteln" hatte :-) . Ich wollte etwas aus einem Guss haben, das einfach 1:1 auszutauschen war. Und letztlich war auch nicht ganz klar, ob das Problem mit der Intonation und der Schraube nicht sowieso bleiben würde.


Drittanbieter-Lösung


Bei meinen Recherchen bin ich dann auf die Mastery Bridge gestoßen: Ein US-Hersteller hatte die Probleme der originalen Bridge erkannt und einen Ersatz entwickelt, der die oben beschriebenen Themen komplett eliminiert, da die Konstruktion eine ganz andere ist.

Die Mastery Bridge M2 kann man in Deutschland über Frank Deimel in Berlin kaufen. Soweit ich mich erinnere, musste man nur angeben, ob es sich bei der Jaguar um ein US-Modell (also original 1962) oder um ein MIJ Reissue drehte. Der Kaufpreis war mit 186,00 € sicherlich nicht billig, hat sich aber unbedingt gelohnt.

Die Abmessungen beider Brücken sind natürlich identisch. Man sieht bei der Mastery Bridge aber, dass die Füße viel breiter sind. Darüber hinaus unterscheidet sich das Gewicht beider Brücken. Meine Mastery-Bridge wiegt 63 Gramm, die Original-Bridge nur 51 Gramm, immerhin ein Unterschied von zirka 15%.

Oben Mastery- unten Original-Bridge
Die breiteren Füße sorgen dafür, dass die Bridge die Hülsen im Korpus, in denen die Füße sitzen komplett ausfüllt. Bei der originalen Bridge ist das nicht so, die Bridge kann deshalb kippen. Ich bin mir nicht sicher, ob sich Leo Fender bei dem Kippen nicht irgendwas gedacht hat, eventuell ist das tatsächlich ein Feature, das im Kontext des Vibrato irgendeinen Sinn macht.

Das höhere Gewicht und die festere Verankerung im Korpus sorgen aber dafür, dass der Sustain der Gitarre mit Mastery-Bridge etwas ausgeprägter ist. Das Holz schwingt mehr, was sich klangbildend auswirkt (Die Schwingungen des Holzes erzeugen Obertöne, die überhaupt erst den Charakter des Tones bilden).

Die Mastery Bridge ist eine ganz andere Konstruktion, die Saitenreiter bestehen aus zwei massiven Blöcken, jeweils einer für die Bass- und einer für die Diskant-Saiten. Die Blöcke sind für die Intonation leicht schräg angeordnet, will sagen: Eine Seite steht weiter vorne als die andere. Pro Block gibt es zwei Schrauben, um die Intonation vorzunehmen.

Die Saitenreiter sind eine völlig eigenständige Konstruktion

Wichtiges Detail bei der Mastery-Bridge ist, dass die Intonationsschrauben und die Saiten nun versetzt sind, es kann sich also nichts mehr ins Gehege kommen.

Saiten und Schrauben können sich nicht mehr stören

Die Mastery Bridge kommt mit drei zölligen Imbus-Schlüsseln für die Feinjustierung.

Die Mastery Bridge kommt mit drei zölligen Imbus-Schlüsseln für die Feinjustierung

Schwere Substanz - schwere Qualität


Alles fest im Griff

An der Bridge saß nun alles fest, nichts wackelte mehr. Ich habe dennoch als weitere Verbesserung Locking Tuner eingebaut. Dies ist einerseits für die Stimmstabilität gut, es ist aber auch eine Erleichterung beim Aufziehen neuer Saiten.

Die "GOTOH Vintage Lock, 6 links, vernickelt" (Rockinger, Artikelnummer 0431C, ca. 64,- €),  sind swap-in, alle Abmessungen entsprechen 1:1 dem Original.

Links Original, rechts die Locking-Variante

Links Original, rechts die Locking-Variante


Links Original, rechts die Locking-Variante

Links Original, rechts die Locking-Variante


Bei den Locking-Tunern wird die Saite durch das Loch geführt. Beim Drehen an der Stellschraube, drückt die Schraube von unten hoch und gegen die Saite.

Die Saite wird eingeklemmt (daher der deutsche Name "Klemm-Mechanik") und es bedarf keiner einzigen Wicklung, um die Saite zu befestigen - kein Herumgefummel mehr, kein Umknicken der Seite, damit sie für das Drehen am Tuner hält.


Dienstag, 30. Oktober 2018

Lords of the Void - "Stars of solid Diamond"

Der neueste Song unserer Band "Lords of the Void".

Mein Kumpel Mattias (Lead-Gitarre) und ich (Rhythmus-Gitarre) haben erstmals ein richtiges Video dazu gedreht.

Viel Spaß!





"Stars of solid Diamond"

(c) Tim Frodermann / Mattias Kraft 2018


A star lit up, just above the horizon.
a faint glow,
two minutes from now it's gone.
Another system has turned to dust and stone.

It has always been the eternal cycle,
a sun went down, and another will take it's place.
The matter of everything that was and will.

It's a cold fact, that the top of creation,
the pinnacle that he shone his light upon,
is nothing but the afterglow and dust
of Stars of solid Diamond.

We were fooling around, we put our dead to the ground,
we built cities of stone.
We had a burning desire, we put fuel to the fire,
we were special...
like Stars of solid Diamond.



It started out, when the fire fell from the sky,
and we gathered around the flames,
and we stared into the light of the ember.

It has always been the eternal cycle,
a man went down and another will take his place,
so we roamed around this world through the ages.

The people say, you were always a healer,
but why can't you cure the burning flame in me.
that keeps me going on and on, and on:
to Stars of solid Diamond.

We built chariots of fire, we had a burning desire,
we sent a man to the moon.
We looked at the sky, we sent probes in the night, 
flying...
to Stars of solid Diamond.

Sonntag, 28. Oktober 2018

Umbau einer günstigen Gitarre, Teil 6: Kassensturz und Fazit

[Zu Teil 5 dieser Blog-Post Reihe]

Wir sind am Ende des Umbaus einer günstigen E-Gitarre angekommen und es ist nun Zeit ein finanzielles und inhaltliches Fazit zu ziehen


Die fertig restaurierte MARATHON
noch einmal mit dem SAMICK Verstärker vereint


Lohnt es sich, eine günstige Gitarre umzubauen?


Das hängt davon ab, was der Lohn der Mühen sein soll, also was man sich am Ende davon erhofft.

Bei der Produktion günstiger E-Gitarren muss notwendigerweise irgendwo gespart werden. Es sind meistens der Korpus (Spanplatte statt Vollholz), der Hals (ohne oder mit extrem geringem Radius, weil das einfacher herzustellen ist und am wenigsten Verschnitt produziert) und die Elektrik (Tonabnehmer) - allesamt kritische Komponenten, die darüber entscheiden, wie ein Instrument klingt.

Gespart wird natürlich auch an anderen Dingen, die eher optischer Natur sind. Günstige Gitarren haben in der Regel kein Binding und auch die Lackierung ist meistens ein deckender Farbauftrag, denn man hat hier ohnehin meist keine Holzmaserung, die es zu präsentieren gilt.

Aus einer günstigen Gitarre kann man kein Custom Shop Instrument herausholen, man kann mit kleinen Umbauten aber hörbare Verbesserungen erreichen.

Beispielsweise können bessere Stimm-Mechaniken an einer Gitarre, die sich leicht verstimmt, dazu beitragen, dass die Stimmstabilität sich verbessert.

Andere Tonabnehmer werden sicher dafür sorgen, dass sich die Gitarre anders anhört.

Eine andere Bridge kann dafür sorgen, dass die Gitarre mehr Sustain erhält und ich kann sogar den Hals einer Gitarre austauschen, um ein besseres Spielgefühl und eine optimalere Saitenlage zu erreichen.

Neue Mechaniken, ein Set neue Pickups, eine neue Bridge - hierbei kann man ganz leicht plötzlich bei 400 € und mehr landen...und hat dann dennoch nur eine Sperrholzgitarre.
 
Mein Fazit ist, dass es sich nicht lohnt, wenn man die kalten Zahlen betrachtet. 400 €, die ich in eine 200 € Gitarre stecke, kann ich genauso gut weiter ansparen, noch länger die günstige Gitarre spielen und mir später im Bereich der Gitarren zwischen 900 ,- und 1300 ,- € etwas schon richtig Gutes leisten.

Wir Musiker betrachten aber selten die kalten Zahlen, wir sind meist ja doch so sentimental, dass wir an unseren Instrumenten hängen. Ich habe meine erste E-Gitarre wie gezeigt umgebaut und tue dies auch heute noch regelmäßig. Heute ist sie schon zwei Komplettumbauten weiter, die ich später auch in diesem Blog dokumentieren werde.

Die MARATHON ist meine Experimentier-Gitarre, aber ich nehme auch regelmäßig mit ihr auf, denn sie hört sich richtig gut an. Es hätte aber auch anders enden können, sie hätte am Ende auch schlecht klingen können.

Die Umbaukosten betragen mittlerweile Unsummen, sie haben aber auch etwas Entscheidendes gebracht, das es nicht beim Gitarrenhändler zu kaufen gibt - ein Einzelstück mit einem nicht zwei Mal zu bekommenden Sound und ein Instrument, mit dem mich ein halbes Leben verbindet.

Mein Fazit: Wenn ich mir die günstige Gitarre erst mit dem Ziel des Umbaus gekauft hätte und der sentimentale Wert gefehlt hätte, dann hätte es sich finanziell nicht gelohnt. Handwerkliches Wissen ansammeln lohnt sich aber immer, deswegen ist zum Basteln an günstigen Instrumenten nur zu raten. Man muss hier nur die Kosten im Auge behalten.

Ist es schwierig, eine günstige Gitarre umzubauen?


Das hängt von den handwerklichen Kenntnissen ab. Im E-Gitarrenbau trifft man auf verschiedene "Gewerke":
  • Elektrik
  • Holzbearbeitung
  • Metallbearbeitung
  • Malern/Lackieren: Wobei ich das ganz weggelassen habe. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bei diesem Projekt einfach noch zwei weitere Aufkleber auf dem Korpus angebracht habe, wo der Lack besonders unansehnlich war.
Falls man hier bereits Kenntnisse und Werkzeuge besitzt, dann ist es schon etwas weniger schwierig.

Wenn man hier keine Erfahrung besitzt, dann ist es sinnvoll, sich vorher zu informieren, wie etwas gemacht wird und welche Werkzeuge man hierzu benötigt. Dies kann in den einschlägigen Gitarrenforen, in Blogs wie diesem hier, in Fachzeitschriften wie GITARRE & BASS oder - Achtung Geheimtipp - auf der Webseite des US Zubehörhändlers StewMac passieren:



Lötstation, Fräsen, Bohrer, etc. sind nicht ganz billig und passendes Werkzeug wird man brauchen. Meine Erfahrung ist, dass falsches Werkzeug zu Verletzungen und Murks führt, deshalb immer die Regel beherzigen: Wer billig kauft, kauft zwei Mal.

Das soll keineswegs heißen, dass teuer immer besser ist, aber: Mit der Lötpistole aus dem Baumarkt erreicht man nicht die richtige Temperatur zum schnellen und sauberen Löten von z.B. Elektrolytkondensatoren (die kann man "kaputtbrutzeln") und an solchen Lötgeräten wird man auch keine Lötspitzen mit der benötigten kleinen Größe finden, um exakte Lötpunkte zu setzen.

Das muss in die "Gesamtrechnung" natürlich auch einfließen, auch wenn Werkzeuge sehr alt werden können und man sie für das nächste Projekt ohnehin wieder brauchen wird.

Eventuell sollte man sich im Vorfeld auch einmal umhören, ob man das ein oder andere Werkzeug nicht ausleihen kann oder ob nicht jemand aus dem persönlichen Umfeld bei einzelnen Arbeiten mit Rat und Tat zur Seite stehen kann.

Die Teileliste und Abschlussrechnung


Folgende Komponenten wurden gekauft und verarbeitet. Die Preise können sich in Zwischenzeit verändert haben.

Ich habe nur die gitarrenspezifischen Teile angegeben. "Kleinteile" wie den Stahlreiniger hat man eventuell schon zuhause oder kann ihn nach dem Gitarrenprojekt in der Wohnung weiterverwenden.

  • Dunlop Formula 65 Fretboard Kit                 (Thomann)       11,90 €
  • Schaller ST6L Stimm-Mechaniken                  (Rockinger)     43,50 €
  • Mechanikern Befestigungsschrauben 9,5mm [12x]   (Rockinger)     0,20 € [2,40 €]    
  • Butterfly String Tree, schwarz [2x]             (Rockinger)     2,10 € [4,20 €]
  • Shielding Kit (Kupferfolie) [2x]                (Rockinger)     12,50 € [25,00 €]
  • Halsbefestigungsschrauben Nickel [4x]           (Rockinger)     0,50 € [2,00€]
  • Fender Pickguard SSS Black Pearl, 11 Löcher     (Thomann)       49,00 €
  • Pickguard Schrauben Fender-style, schwarz [11x] (Rockinger)     0,25 € [2,75 €]
  • Fender Mexico Strat Vintage Narrow Bridge       (angela.com)    29,99 $ [ca. 26,00 €] 
  • Versand Fender Mexco Strat Bridge nach DE                       39,99 $ [ca. 35,00 €]
  • Zoll Fender Mexico Strat Bridge                                 9,67 €
  • Fehlkauf der ersten nicht passenden Bridge, hier blieb Verlust  ca. 40 €
  • Fender 5-Way Switch                             (Thomann)       8,90 €
  • Fender Tone Poti 250K (A) log Split shaft [3x]  (Thomann)       6,90 € [20,70 €]
  • Fender Poti Knöpfe Set of 3 in Farbe Parchment  (Thomann)       6,00 €
  • Allparts Switchcraft EP0055 Klinkenbuchse mono  (Thomann)       2,95 €
  • Göldo Kabel E9SCB Stoffmantel 1m schwarz        (Thomann)       5,80 €
  • Fender Pickup Set Strat Texas Special           (Thomann)       169,00               

Damit kommen wir in Summe auf 464,77 €.

Mit dem nicht gezählten Kleinkram können wir grob auf 500 € aufrunden, ebenfalls nicht gezählt sind verschiedene Werkzeuge, die ich mir gekauft habe, da ich diese ja auch für andere Projekte weiterverwende.

Ich habe das Gitarrenprojekt in meiner Freizeit an Abenden und Wochenenden durchgeführt. Vom ersten Sichten der Gitarre, der Recherche, dem Kauf der Bauteile bis zu den letzten Handgriffen des Zusammenbaus sind ca. drei Monate vergangen. Die Arbeiten habe ich vom Oktober 2013 bis in den Januar 2014 ausgeführt.

Die Gitarre ist mittlerweile 25 Jahre alt und hat heute einen gescallopten Hals und aktive EMG-Tonabnehmer...aber das ist Material für einen zuküntigen Post.


Umbau einer günstigen Gitarre, Teil 5: Elektrik


[Zu Teil 4 dieser Blog-Post Reihe]


Der Umbau der Gitarre war zugleich mein erstes Elektronik Projekt, deshalb habe ich bei der Elektrik eigentlich nichts besonderes gemacht.

Nur drei Dinge habe ich vermutlich ungewöhnlich ausgeführt:

  • Ich habe das E-Fach mit Kupferfolie ausgekleidet zur Abschirmung
  • Ich habe die Masseverbindung zur Bridge über einen Kabelschuh/Quetschverbinder eingerichtet (siehe rechts). Warum?

    Zu den E-Themen hatte ich im Vorfeld viel im Internet gelesen und war kurzzeitig verunsichert bezüglich des Themas, dass es in der Vergangenheit das ein oder andere Mal zu Stromschlägen durch den Verstärker kam. Natürlich ist das weit hergeholt, in den beschriebenen Fällen bestand ein Defekt am Verstärker oder es wurde daran herummanipuliert, so dass Spannung am Chassis anlag.

    Da über die Masseverbindung die Hand des Gitarristen praktisch eine Verbindung bis zum Verstärkerchassis hat, gab es deshalb High Voltage.

    Wenn man die Masseverbindung trennt, dann besteht diese Gefahr so nicht, die Gitarre kann aber etwas mehr brummen. Ich wollte mir die Möglichkeit einfach offen halten ohne Drähte trenne zu müssen. Deshalb der Steckverbinder.

    Ich denke das Thema sollte in unseren Breiten keines sein, ich habe das Kabel letztlich nie getrennt, deshalb ist diese Steckerverbindung eigentlich überflüssig.
   
Masseverbindung der Saiten über einen blauen Steckverbinder

  • Nochmal das Thema der Masseverbindung: Ich habe alle Masseverbindungen innerhalb des E-Fachs an einem zentralen Punkt zusammengeführt (nämlich an der E-Fach Abschirmung). Das hatte für mich hauptsächlich Gründe der Ordnung. In vielen Schaltungen werden alle Massekabel auf ein Poti aufgelötet oder es werden gar Poti-Beine nach oben geklappt und hier wieder am Poti festgelötet. Das fand ich ästhetisch doof und ich wollte mir auch kein Poti mit dem Lötkolben verbrutzeln.
          Stattdessen habe ich die beiden Schrauben, die den 5-Wege-Switch am Pickguard 
          festhalten, in je einen Ringkabelschuh gesteckt. In den einen habe ich die drei Massekabel
          der Pickups eingepresst, in den anderen alle Masseverbindungen von den Potis.

          Die Masse von den Saiten / der Bridge läuft einfach in eine Wand des E-Fachs. Da die Wände
          mit der elektrisch leitenden Folie ausgekleidet sind, wird hierüber die Masseverbindung der
          Bridge hergestellt.

          Auch die Rückseite des Pickguard ist mit elektrisch leitender Folie beklebt, somit haben die
          Ringkabelschuhe eine Verbindung zur gesamten Folie und alles ist eine große
          Masseverbindung um das E-Fach herum.


Mein Verdrahtungsplan

Abschirmung des E-Faches

Ich wollte in diesem Projekt das E-Fach sauber abschirmen, um elektromagnetische Einstrahlung und damit Brummen abzuhalten. Das ist bei einer Gitarre mit Singlecoil Pickups natürlich alles mit Abstand zu betrachten, denn die Pickups schauen ja nun einmal aus dem Pickguard heraus und sind wegen ihrer Bauweise sehr anfällig für das sogenannte 50 Hz Brummen.

Aber es schadet trotzdem nichts, etwaige Einstrahlung von den Kabeln im E-Fach fernzuhalten.

Zur Abschirmung gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum einen eine elektrisch leitende Spezialfarbe. Das Malern und Lackieren ist (bislang) noch nicht mein Ding, deshalb habe ich die zweite Möglichkeit bevorzugt: Eine elektrisch leitende Folie einzukleben, hier Kupferfolie.

Diese Folie ist selbstklebend, was die Verarbeitung sehr einfach macht.

Ich habe zunächst die Ausmaße des E-Fachs mit einem Bleistift und einem A4-Papier abgepaust. Dazu einfach das Blatt über das E-Fach legen und an den Kanten des E-Faches entlangpausen. Man kann das auch in verschiedenen kleineren Abschnitten mit entsprechend mehreren Blatt Papier erledigen.

Diese Schablonen habe ich dann ausgeschnitten und mir hiermit entsprechende Teile der Kupferfolie zurechtgeschnitten. Die Kupferfolie ist mit einer Schere schneidbar, aber es geht nicht 100% schön damit. Ein sehr scharfes Cuttermesser ist eventuell besser geeignet.


Schablonen und Kupferfolie

Die ausgeschnittenen "Böden" habe ich auf den Boden des E-Faches geklebt. Die Flanken/Seitenwände habe ich höhenmäßig ausgemessen und habe mir entsprechend breite Streifen der Kupferfolie abgeschnitten. Man kann bei jeder Abmessung ruhig noch ein paar Millimeter hinzugeben.

Ganz wichtig ist es, auch einige Streifen der Folie bis oben auf den Korpus hochzukleben. Die Rückseite des Pickguard wird auch mit elektrisch leitender Folie beklebt, so dass hier beim Aufschrauben des Pickguard dann der Kontakt mit der Folie im E-Fach geschlossen wird und wir einen "Faradayschen Käfig" bekommen (der Käfig in Anführungsstrichen, weil das Pickguard an der Stelle der Tonabnehmer ja Löcher hat und der Käfig deshalb nicht ganz geschlossen ist).

Das E-Fach ist komplett foliert


Sind alle Folienteile eingeklebt, dann prüft man am besten mit einem Multimeter in der Einstellung  "Durchgangsprüfung" an jeweils zwei Stellen die Leitfähigkeit. Jeder Punkt im E-Fach sollte mit jedem anderen Punkt im E-Fach elektrisch leitend verbunden sein und das Multimeter muss piepsen.

Die Kupferfolie ist nur an der Oberseite elektrisch leitend. Deshalb liest man zurecht, dass man zwei Folien, die nebeneinander liegen über einen kleinen Lötpunkt verbinden soll. Denn es ist ja die elektrisch nicht leitende Unterseite der einen Folie auf die elektrisch leitende Oberseite der daneben liegenden Folie aufgeklebt.

Im meinem Projekt war das aber kein Problem. Der Boden des E-Fachs war sehr rau, eventuell haben sich die übereinander geklebten Folien leicht durchstoßen und haben so einen Kontakt gebildet - wie auch immer.


Verlöten der Kabel und passiven Bauteile

Als nächstes habe ich mich mit den Pickups beschäftigt und dem Bestücken des Pickguards.

Zu meinem Erstaunen kamen die Fender Custom Shop Pickups (Texas Special) ohne Bohrung für die Schrauben.

Löcher zum selber bohren - sind die Lochabstände nicht genormt?

Es half nichts: Grob anhalten, markieren und dann ein Loch links und eines rechts bohren.


Mit zittrigen Händen in die 169 € Pickups gebohrt.

Bei diesen Pickups war die Befestigung am Pickguard sehr Old School gedacht, statt Federn gab es kurze Gummischläuche, in die die Schrauben hineingeschraubt wurden (siehe oben rechts und Mitte links auf dem folgenden Bild).

Kappen, Schrauben, Gummischläuche.
Alle drei Pickups mit dem Pickguard verschraubt
.
Das fertig bestückte Pickguard (Bild unten): Man sieht (mit blauen Enden) die beiden Ringkabelschuhe unter dem 5-Wege-Schalter. Als Kabel/Litzen habe ich ganz einfache, ungeschirmte Kabel mit gewachster Stoffummantellung genommen. Die Abschirmung macht die Kuperfolie, deshalb kann man bei den Litzen hier aus ästhetischen Gründen diese auf alt getrimmten Kabel verwenden.

Der Rest der passiven Komponenten auf dem Pickguard.

Eine marginale Änderung musste ich nach dem Zusammenbau der Gitarre erledigen. Sobald das Pickguard am Korpus festgeschraubt war, kam aus der Gitarre kein Ton mehr heraus. Mir ist dann aufgefallen, dass der 5-Wege-Schalter (offene Bauweise) Kontakt mit der Kupferfolie im E-Fach hatte - ein Kurzschluss war die Folge. Der Schalter ist viel größer als das Modell, das ab Werk in der Gitarre eingebaut war und deshalb hat er mit der Wand des E-Faches Kontakt.

Ich habe an den Stellen, an denen der Schalter Kontakt zur Kupferfolie hat, einfach Scotchband auf die Folie geklebt.

Im letzten Teil machen wir Kassensturz und fragen uns, ob es das alles Wert war.

Umbau einer günstigen Gitarre, Teil 4: Hardware - Bridge

[Zu Teil 3 dieser Blog-Post Reihe]

Der Einbau der neuen Bridge ist gleich zu Beginn gegen die Wand gelaufen, denn die auf Sicht gekaufte Fender Bridge stellte sich als zu breit heraus. Die beiden E-Saiten wären damit so weit am Rand gelandet, dass sie ständig vom Griffbrett heruntergerutscht wären.

Man sieht schon an den Schraubenlöchern, dass die Fender Bridge (oben) anders ist als die ab Werk in der Gitarre verbaute Bridge.

Die neue Bridge passt nicht

Auch die Befestigungen der Saitenreiter sind arg versetzt (oben Original-Bridge, unten Fender).

Falsche Saitenabstände

Das ging so nicht. Wie schon erwähnt hat sich dann aber eine "Narrow Bridge" als Ersatzteil von der Mexiko Strat gefunden, die dem Original absolut gleich war. Leider musste ich die Bridge aus den USA bestellen, weil sie in Europa nicht aufzutreiben war. Besuch beim Zoll zur Abholung inklusive!

Es handelte sich bei dem Mexiko Strat Ersatzteil um die Basisplatte der Bridge mit Tremblock und Saitenreitern und das war es. Um die Kosten des ersten Fehlkaufs etwas abzufedern, habe ich die Federn und den Federhalter von der falsch gekauften Fender Bridge übernommen. Die Reste der falschen Fender Bridge habe ich später dann zu einem sehr guten Preis noch auf Ebay weiterverkauft.

Auch bei der Bridge habe ich eine kurze Passprobe gemacht, das Ergebnis war auf Anhieb prima.

Beide E-Saiten aufziehen, um die
Abstände zu kontrollieren.

Ich habe beim Anbau der Brücke an den Korpus aber etwas falsch gemacht, weil ich damals einen Hintergrund nicht kannte: Die Korpusschrauben der Brücke habe ich ganz reingedreht, so dass die Bridge vorne fest auf dem Korpus aufliegt. Man kann es auf dem folgenden Foto in etwa sehen:

Die Schrauben sind viel zu weit reingedreht.
Die Schräge soll eigentlich nicht aufliegen.

Die Bodenplatte der Bridge ist vorne leicht angeschrägt, normalerweise dreht man die Schrauben nicht so rein, dass die abgeschrägte Fläche aufliegt, denn die Brücke soll ja beweglich sein. Die abgeschrägte Fläche zusammen mit den Tremolo-Federn sorgt normalerweise dafür, dass die Brücke "schwebt" (float), es ist eine "Floating Tremolo Bridge".

Ich habe auch alle fünf Federn eingesetzt, was insgesamt dazu führt, dass die Bridge fast wie eine Hardtail Bridge ist, absolut fest und unbeweglich. Ich benutze den Jammerhaken nie, vermutlich ist es mir deshalb anfangs gar nicht aufgefallen.

Was aber aufgefallen ist, ist dass die Gitarre ein Mördersustain hat. Das hatte sie im Originalzustand auf keinen Fall. Ich bin der Meinung, dass die nun besonders starke Verbindung zum Korpus-Holz für das gesteigerte Sustain verantwortlich ist, eventuell trägt auch das Weglassen der Federkammer Abdeckung dazu bei.

Im 5. Teil kümmern wir uns um die Elektrik.

Umbau einer günstigen Gitarre, Teil 3: Hardware - Hals

[Zu Teil 2 dieser Blog-Post Reihe]


Zunächst habe ich den Hals der Gitarre aufbereitet. Dieser hat, obwohl er schlimm aussah, nur "etwas Liebe" benötigt.

Das Griffbrett habe ich mit dem "Dunlop Guitar Fingerboard Kit" behandelt, dieses besteht aus einem Cleaner/Polisher zum Entfernen von Schmutz und Gilb, sowie einem Griffbrett-Öl zur nachfolgenden Pflege.

Das Set kostet weniger 18 Euro bei Thomann: Dunlop Guitar Fingerboard Kit bei Thomann


Griffbrett Reiniger und "Conditioner"


Zum Aufpolieren der oxidierten Bundstäbchen habe ich einen Edelstahlreiniger von Edeka benutzt:

Hausmittelchen gegen Rost

Nur ein Tröpfchen davon auf einen fusselfreien Lappen geben und ganz vorsichtig damit über die Bundstäbchen reiben. Man muss hier sehr achtsam sein, denn der Reiniger beinhaltet schleifende Partikel. Man kann sich damit das Griffbrett zerkratzen und man will auch keine Furchen in den Bundstäbchen, wo dann später die Saiten hängenbleiben. Hier bedarf es etwas Fingerspitzengefühls.

Das Ergebnis beider Mittel konnte sich aber sehen lassen. Der Vorher-/Nachher-Vergleich zeigt es:

Das Griffbrett vor der Behandlung

Das Griffbrett nachher


Als nächstes hat die Kopfplatte ihre neuen Mechaniken gebraucht. Das Problem war hier, dass die Originalmechaniken eine Sonderkonstruktion des Herstellers waren, für die es keinen baugleichen Ersatz gab.


Die Originalmechaniken hatten die Grundform eines sich nach links neigenden Parallelogramms. Alle verfügbaren neuen Mechaniken, die wenigstens von ähnlicher Bauart waren, hatten als Grundform ein sich nach rechts neigendes Parallelogramm.

Die Original Mechaniken

Schaller Mechaniken
  

Ich habe mich für die oben gezeigten sehr klassischen Schaller Mechaniken entschieden, die Kopfplatte musste nun aber angepasst werden.

Als erste Aufgabe waren die Original Schraubenlöcher für die Mechaniken zu verschließen, denn keines der Löcher war für die neuen Mechaniken wiederzuverwenden.

Zum Verschließen habe ich die Schraubenlöcher auf ca. 2 mm aufgebohrt und sie dann mit einem Rundstab passenden Durchmessers verschlossen. Der Rundstab wird dazu mit etwas Holzleim benetzt und in das aufgebohrte Loch gedrückt. Man kann hier mit einem kleinen Hammer oder dem Schraubendreherkopf etwas Gewalt ausüben, so dass der Rundstab ganz reingeht.

Verschließen der Mechanikschrauben-Löcher

Das Ganze kann dann eine Nacht aushärten. Ich habe die überstehenden Rundstäbe dann vorsichtig mit einem Cuttermesser gekürzt. Wiederum ist hier etwas Fingerspitzengefühl nötig. Ich war mit dem Kürzen per Messer zufrieden, so dass ich den letzten überstehenden Milimeter nicht noch heruntergeschliffen habe.

Die fertig verschlossenen Schraubenlöcher

Die originalen Mechaniken waren auf 8,5 mm Löcher ausgelegt, die Schaller-Mechaniken haben jedoch einen ca. 6mm hohen und 1cm breiten Sockel am Fuß des Schaftes, in den die Saiten eingehangen werden und haben daher auch nicht in die originalen Löcher des Kopfes gepasst.

Die Schaller Mechaniken haben einen
Absatz am unteren Schaftende


Mit Hilfe einer Standbohrmaschine wurden die 8,5 mm Mechanikenlöcher von der Rückseite her 6mm tief vom Radius 8,5 mm auf 1 cm aufgebohrt:

Die originalen Mechanikenlöcher mussten aufgebohrt werden

Ich habe dies bewusst mit einer Standbohrmaschine gemacht, weil ich kein Vertrauen darin hatte, dass ich per Hand eine Bohrmaschine perfekt gerade halten kann. Man will die Löcher ja nur gerade aufbohren und nicht durch Bewegungen während des Bohrens oval oder schräg. Die Mechaniken müssen unbedingt einen festen Sitz haben, da die Saitenspannung gehörig an ihnen ziehen wird.


Nun war es Zeit für eine Passprobe der neuen Mechaniken. Denn es muss natürlich getestet werden ob alles passt. Tut es das, dann müssen die Positionen der neuen Löcher markiert und später vorgebohrt werden.

Zuerst habe ich vorne die Hülsen eingesetzt.

Einsetzen der vorderen Hülsen. Diese haben
dekorativen Charakter.

Bei der Passprobe stellte sich schnell heraus, dass günstige Gitarren bisweilen eben doch Qualitätsprobleme haben (wer hätte es gedacht). Offenbahr ist die Gitarre mit kleinen Varianzen bei den Mechanikenlöchern hergestellt worden, die Löcher haben nicht exakt die gleichen Abstände. Dadurch haben leider nicht alle sechs neuen Mechaniken nebeneinander gepasst.

Die Ränder der ersten und der zweiten, sowie der dritten und vierten haben überlappt.

Erste Passprobe der Mechaniken

Da musste die Feile ran und ich habe die erste und vierte Mechanik mit einer kleinen Feile passgenau abgeschliffen. Dazu schleift man ein wenig und setzt sie dann wieder ein, um die Passgenauigkeit zu prüfen. Wenn es noch nicht passt, dann schleift man noch ein Stück weg. Und so weiter.

Es klemmt noch.

Am Ende hat es ganz gut gepasst und ich habe mit einem Geodreieck, das ich mit Schraubzwingen befestigt habe, die sechs Mechaniken auf einer geraden Linie ausgerichtet.

Kein Problem, das eine Feile nicht beheben könnte.

Alles bereit zum festschrauben.

In dem Zustand konnte man die Positionen der zu bohrenden Löcher ganz einfach mit einem Bleistift anzeichnen. Beim Vorbohren ist darauf zu achten, dass dies auch wieder möglichst gerade passieren sollte (also wieder Standbohrmaschine). Wenn die Schrauben 2 mm Durchmesser haben, dann bohre ich ca. 1,5 mm vor.

Die fertige Arbeit von hinten...


Zuletzt habe ich die alten String Trees (Saiten-Niederhalter) durch zwei schwarze, neue getauscht und die drei Schrauben der Halsspannstab-Abdeckung ersetzt (DIN 95 Zierschrauben glanzverzinkt mit Linsensenkkopf - allerdings seinerzeit nur mit Schlitz auftreibbar).

...und von vorne



Im nächsten Teil machen wir mit dem Korpus weiter.